Legionellen: Stehendes Wasser, verborgenes Risiko

Eine unerklärliche Müdigkeit mit ständiger Verschlimmerung kann ein Anzeichen der Legionärskrankheit sein. Ursache dafür ist das Einatmen von Wasserdampf aus lange stehendem Wasser, wenn dieses in Bewegung gebracht wird. Bruno Reichmuth schildert seine Erfahrungen nach einer Infektion.

Rinder und Pferde betreuen ist für Bruno Reichmuth eine schöne Arbeit.
Rinder und Pferde betreuen ist für Bruno Reichmuth eine schöne Arbeit.

Zwei Pferde und acht Rinder sind bei Priska und Sepp Gasser auf dem Hänisberg in Bazenheid zu Hause. Betreut werden sie gemeinsam mit ihrem 78-jährigen Vater und ehemaligen Besamer Bruno Reichmuth. Er ist dort aufgewachsen, wohnt aber mittlerweile im Dorf Bazenheid. Das fast tägliche Betreuen der geliebten Tiere bereitet ihm Freude. Genauso auch sein Hobby Schwyzerörgelispielen. An der letztjährigen Olma hatte er einen Auftritt als Musikant und genoss diese Stunden. Beizeiten ging man nach Hause. Doch am kommenden Morgen fühlte er sich schlapp. Bald musste er erbrechen und seine gute Konstitution litt merklich. Er konnte sich diesen Zustand nicht erklären; seine Mitmusikanten spürten nämlich keinerlei Beschwerden. Ehefrau Maria schlug vor, den Hausarzt oder das Krankenhaus aufzusuchen. «Wegen einer Magen-Darm-Grippe ins Spital? Nein, das geht wieder vorbei», meinte Bruno Reichmuth positiv denkend. Seine Meinung änderte sich aber bald. Er hatte absolut keine Kraft mehr und ein beschwerliches Husten setzte ein. Jetzt war sich die ganze Familie einig: sofort in die Notfallstation des Spitals Wil.

Pech und Glück

Dort folgten eine sofortige Infusion und ein genauer Untersuch seines Zustands. Eine Antibiotikagabe stabilisierte den Zustand des Patienten; ja, verbesserte ihn sogar leicht. Aber Bruno Reichmuth spürte, dass ihm der Tod jetzt ziemlich nahe gewesen war. Die für ihn zuständige Ärztin hatte die Krankheitsursache rasch gefunden und munterte ihn auf. «Sie hatten Pech, dass Legionellen in ihre Lunge gelangten und dort eine akute Entzündung auslösten. Sie hatten aber Glück, dass Sie gut auf die Antibiotika ansprachen.» Was Legionellen sind, wusste Bruno Reichmuth nicht so genau, erkundigte sich aber sofort. Ihn und seine Angehörigen beschäftigte dann der Gedanke, wo diese Erreger ihn erreicht hatten. Nach und nach fand man die Ursache: Ein leicht abgedeckter Regenwasserbehälter auf dem Hänisberg musste es sein. In diesem war ständig Wasser vorhanden, und wenn es länger nicht regnete, blieb dasselbe Wasser tagelang stehen. Ideal für die Entstehung von Legionellen, wenn das Wetter warm ist. Diesen Schacht hatte Bruno Reichmuth einige Tage vor seiner Entzündung mit der Spiraldüse des Hochdruckreinigers bearbeitet. «Dabei entstand ein wirklich starker Nebel. Diesen atmete ich ein und mit ihm die Legionellen in meine Lunge.»

In diesem Regenwasserbehälter wuchsen die Legionellen heran.
In diesem Regenwasserbehälter wuchsen die Legionellen heran.

Wenig bekannter Erreger

Salmonellen sind der Gesellschaft bekannt. Diese Krankheitserreger werden über Lebensmittel auf Menschen und Tiere übertragen. In den 1980er-Jahren kamen Salmonellen noch hauptsächlich im Schweinefleisch vor. Dieser Umstand hat sich stark verbessert. Momentan gilt Geflügelfleisch noch als grösster Risikofaktor. Deren Vorkommen ist aber ebenfalls stark rückläufig. Salmonellen lösen Krankheiten aus, wenn sie gegessen werden. Anders ist dies bei Legionellen. Diese wenig bekannten Erreger belasten den Gesundheitszustand, wenn sie über die Atemwege aufgenommen werden. Legionellen gedeihen in stehendem Wasser. Am besten vermehren sie sich, wenn dieses eine Temperatur zwischen 25 und 45 Grad aufweist.

Entdeckt wurden diese Erreger 1977. Ein Jahr zuvor hatte die Kriegsveteranenvereinigung American Legion eine mehrtägige Zusammenkunft in einem Hotel. 181 Personen erkrankten lebensbedrohlich, über 40 von ihnen starben. Die Ursache dafür war die vernachlässigte Klimaanlage des Hotels, in der Legionellen heranwuchsen.

Gute Behandlungsmethode

Die Legionärskrankheit kann unterschiedlich stark auftreten. Personen mit starker Immunität können an Husten mit mässigem Fieber leiden. Vorwiegend bei älteren Menschen kann eine beidseitige Lungenentzündung auftreten. Bis die Legionellen nach ihrem Eintritt in die Atemwege Beschwerden auslösen, können bis zu zehn Tage vergehen. Erste Anzeichen dafür sind dann mässig starker, eher trockener Husten oder Magen-Darm-Beschwerden. Auch eine Verwirrtheit kann vorkommen. Von Legionellen verursachte Krankheitsfälle haben in den letzten Jahren zugenommen. Dies führte aber auch zu einer verbesserten Diagnose des Krankheitsbilds. Antibiotika haben sich als gute Behandlung gegen eine Verschlimmerung der Legionärskrankheit erwiesen, wenn Patienten darauf ansprechen.

Hygiene und Temperatur

Stehendes Wasser kann auf vielen Bauernhöfen vorhanden sein. Brunnentröge oder andere Behältnisse, die unscheinbar herumliegen und Regenwasser sammeln, können Legionellen beherbergen. Dies trifft vor allem bei länger anhaltendem Warmwetter ohne Niederschlag ein. Die Krankheit wird aber nur ausgelöst, wenn starke Dämpfe und Nebel dieses Wassers in die Atemwege gelangen. Tiere sind daher kaum betroffen. In Wohnhäusern können Duschen mit zu wenig aufgeheiztem Wasser ein Problem sein. Auf Bauernhöfen ist darauf zu achten, dass das Vorkommen von stehendem Wasser verhindert wird. Solches mit einem Hochdruckreiniger aufzuwirbeln, erzeugt verunreinigten Nebel. Duschanlagen in Wohnungen sollten von einem Boiler gespiesen werden, der die Ansprüche gegen das Entstehen von Legionellen erfüllt. Sanitärfachleute können darüber Auskunft geben.

Anderer Stellenwert

Bruno Reichmuth kann wieder in alter Frische die Tiere auf dem Hänisberg betreuen. «Diese Geschichte zu erzählen gilt einfach als Hinweis, was passieren kann, wenn man zu wenig aufpasst oder zu wenig weiss.» Jetzt betrachte er seine Umgebung bewusster und stehendes Wasser habe jetzt einen anderen Stellenwert als zuvor.

Risiken und Schutzmassnahmen: Tipp von der BUL

  • Legionellen vermehren sich in stehendem Wasser mit Temperaturbereichen von 25 bis 45 Grad Celsius.
  • Vorkommen in der Landwirtschaft: beispielsweise in Kühl-/Luftreinigungsanlagen von Geflügel- und Schweineställen, Beregnungs-/Vernebelungsanlagen, Klimaanlagen, Regenwassersammler, Retentionsbecken, Arbeiten mit dem Hochdruckreiniger. Problematisch ist das Einatmen von zerstäubtem legionellenhaltigem Wasser (Aerosole).
  • Das Vorhandensein von Legionellen lässt sich mit Wasserproben testen, beispielsweise bei der Bamos in Bazenheid.
  • Vermehrung der Bakterien im System verhindern: Thermische Massnahmen (stehendes Wasser < 20 °C oder > 55 °C), chemische Behandlung des Wassers. Legionellenfilter kommen eher im medizinischen Bereich zum Einsatz (hohe Kosten).
  • Wasser im System regelmässig über 55 Grad Celsius erwärmen, um Legionellen abzutöten. Es wird auch empfohlen, ca. alle 72 Stunden die Leitungen mit Warmwasser durchzuspülen.
  • Regelmässige Reinigung: Wasserleitungen, -behälter und Brausen/Duschköpfe möglichst kalk- und biofilm-frei halten.
  • Warmwasserleitungen nach längerem Nichtgebrauch heiss aufdrehen und eine Weile laufen lassen. Derweil Fenster/Tür zum Raum öffnen und Raum verlassen.
  • Atemschutz (mind. FFP2) bei der Exposition gegenüber potenziell legionellenhaltigen Aerosolen, zum Beispiel beim Einsatz von Hochdruckreinigern bei Behältern/Gruben mit stehendem Wasser, Bewässerung aus legionellenhaltigen Gewässern.

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