Lebensraum Landwirtschaft: Ein Schlossguet mitten im Naturschutzgebiet
Das Schlossguet der Familie Troxler in Untereggen bietet eine beeindruckende Vielfalt an Gemüse und Blumen. Hoch über dem Bodensee lockt es zahlreiche Tierarten an. Troxlers fördern gezielt die Biodiversität, indem sie blühende Pflanzen und Ernterückstände auf den Feldern stehen lassen.

Auf dem Hof der Familie Troxler in Untereggen gedeihen Gemüse, Salat und Blumen in allen Sorten und Farben. Um ihre Aussicht sind sie fast ein wenig zu beneiden. Sie thronen auf einer Kuppel hoch über dem Bodensee. Aber trotz Seesicht strecken die Sonnenblumen ihre Köpfe wie üblich der Sonne entgegen.
Beim Rundgang über die 30 Hekateren Landwirtschaftsfläche – beobachtet durch am Himmel kreisende Milane – wird klar: Troxlers sind bei Weitem nicht die einzigen Lebewesen auf Hof und Feld. Nebst den 40 Milchkühen im Stall und auf der Wiese fliegt und kriecht es überall. Manches Leben ist offensichtlich, anderes winzig klein und darum besorgt, unter der Erde eine hochstehende Bodenqualität zu schaffen.
Lebensraum bieten
Der Duft der farbenfrohen Blüten auf dem Schnittblumenfeld lockt Bienenvölker, Wildbienen und Schmetterlinge an. Besonders auffallend ist der hellbraune Schwalbenschwanz, der elegant seine Prachtsflügel auf die Blüten einer Statice schwingt. Ihre Blüten sind besonders beliebt bei den seltenen Faltern.
Bewusst lässt Familie Troxler einen Teil des verblühten Lavendelfeldes für Bienen und einige nicht geerntete Fenchel als Futterquelle für die Schwalbenschwanzraupen stehen. Das übrig gebliebene Fenchelkraut wird ausserdem in Blumensträusse eingearbeitet oder an Kundinnen und Kunden auf den Märkten abgegeben. Sie füttern damit die Raupen in ihren Privatgärten und kurbeln die Schmetterlingspopulation an.

Blumen und Gemüse verkaufen Troxlers zwischen April und November jeden Freitag und Samstag auf den Märkten in St. Gallen und Rorschach. Immer frisch und saisonal. Angebaut wird daher gestaffelt, in kleineren Mengen. «Durch die Vielfalt auf kleiner Fläche bleibt der Schädlingsdruck gering.» Auch probieren Troxlers nebst einem gleichbleibenden Grundsortiment immer wieder neue Blumen- und Gemüsesorten aus. Gezüchtet und verkauft werden ebenso Setzlinge, Speise- und Zierkürbisse.
Seltene Bewohner
Fünf Saisonarbeiter (Frühling bis Herbst), eine Floristin, einige Marktverkäuferinnen und ein Allrounder gehören zum Schlossguet-Team. «Wir suchen stets neue Wege, um das Aufkommen von Schädlingen und Nützlingen ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei nehmen wir öfters einen Mehraufwand in Kauf und müssen Durchhaltewillen beweisen», erzählen Troxlers. So ging Willi Troxler mit dem Tomatenhaus beispielsweise neue Wege.

Die verschiedenen Tomatensorten im Treibhaus gedeihen prächtig. Stolz reisst Willi Troxler eine Staude aus der Erde, um zu zeigen, wie sich im Wurzelballen ein Haufen Würmer tummeln. «Normalerweise legen wir den Boden des Gewächshauses mit Folie aus, bevor wir die Stöcke einpflanzen. Dieses Jahr probierten wir etwas Neues. Wir säten im Herbst eine Gründüngung ein, mähten diese im Frühling und frästen sie in den Boden ein. Auf den Gehwegen liessen wir das Gras stehen, die Beete deckten wir mit reichlich Mulch zu. Die Bodenlebewesen verarbeiteten die Mulchschicht und versorgen seither die eingepflanzten Tomatenstöcke mit einer Extraportion Nährstoffen.» Ein weiterer Vorteil der Methode: «Wir müssen viel weniger wässern.»
Auch auf den Gehwegen in den Feldern wächst Gras, das nur zurückhaltend gemäht wird. Es ist gut für die Nützlinge im Boden, aber auch für Tiere wie den Hermelin, einen Mäusejäger, der im Gras Schutz vor den Raubvögeln findet. Auch sonst bekommen Troxlers öfters tierischen Besuch aus dem angrenzenden Waldgebiet, wie Füchse oder Rehe. Letztere fressen zu ihrem Leidwesen haufenweise Salate oder Blütenknospen.
Wertvolles Naturschutzgebiet
Zum Hof der Familie Troxler gehört ein Flachmoor: «Unser Schlossguet liegt mitten im Naturschutzgebiet, das mit seinem Flachmoor und dem Amphibienlaichbestand nationale Bedeutung geniesst.» Das Gebiet ist ein Paradies für Tiere aller Art und fördert das Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen. «Aus der geernteten Streue wird Mulch für einige Kulturen, wie etwa Tomaten oder Gurken. Den Rest verwenden wir als Einstreue bei den Kühen, was einen wertvollen Hofdünger ergibt. Für uns ist die Tierhaltung ein wichtiger Bestandteil unseres Kreislaufs.»

Überhaupt ist ein optimaler Kreislauf für die Familie Troxler wichtig: «Auch wenn wir nicht biologisch produzieren, versuchen wir, unsere Erzeugnisse möglichst regenerativ herzustellen.» Dies gilt auch auf dem Feld. «Wir hacken das Gemüse, sodass wir möglichst wenig Herbizide gegen Unkraut spritzen müssen», erzählt der Betriebsleiter und ergänzt: «Wir möchten Sorge tragen zu Boden und Humus, damit wir den nächsten Generationen einen (noch) besseren Boden hinterlassen und sie auch in Zukunft Landwirtschaft betreiben können.»
Und sogar ein Schloss
Die Kiesstrasse, die zum Schlossguet führt, ist gesäumt mit Blumen. «Diese mähen wir bewusst nur zurückhaltend, damit wir Nützlinge schon mal in unsere Nähe holen.» Auf dem Unteregger Hof dürfen sich Selbstpflücker auf dem Bohnenfeld bedienen und ausserhalb des Hofs – in St. Gallen, Goldach und Rorschacherberg – können Blumen selbst geschnitten werden.
Hinter den Gebäuden des Schlossguets reckt sich der geschichtsträchtige Turm des Schlosses Sulzberg, im Volk auch Möttelischloss genannt, hoch in den Himmel. Es gehört zwar nicht mehr zum Gut, aber schon über den Namen sind Schlossguet und Schloss untrennbar miteinander verbunden. In den Mauern hausen Turmfalken und andere Vögel. Für Spaziergänger ist dieser Ort beliebt. Für Troxlers ist er einfach nur ein idyllischer Wohn- und Arbeitsort.
Lebensraum Landwirtschaft
Biodiversität bildet die Grundlage für das Leben. Sie ist wichtig für die Landwirtschaft. Eine intakte Biodiversität erbringt wichtige Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel die Bestäubung oder die natürliche Schädlingsregulierung. In dieser Serie wird aufgezeigt, was die Bäuerinnen und Bauern für die Biodiversität tun und wie sie diese unterstützen. red.
