Kaffeeanbau in Laos: wo der Muntermacher herkommt
Im Süden von Laos wird viel Kaffee angebaut. Auf der Farm von South Sackda und ihrer Familie in Paksong gibt es einige 1000 Kaffeepflanzen. Macadamianüsse, Pfeffer, Litschi, Tee und Kakaobohnen werden hier ebenfalls geerntet. Kaum zu glauben, wie aufwendig der Kaffeeanbau ist.

Es riecht himmlisch nach frischem Kaffee. Das ist nicht verwunderlich, stehen die beiden in Vietnam gebauten Röstmaschinen doch im Hofcafé. Zwei Kilo Kaffee können im kleinen Modell und sechs Kilo im grossen Modell in einer Charge geröstet werden. Das Bolaven-Plateau im Süden von Laos ist prädestiniert für den Kaffeeanbau. Auf der biologisch bewirtschafteten, vier Hektaren grossen Farm auf 1300 Metern Meereshöhe gedeihen die beiden bekanntesten Kaffeesorten Arabica und Robusta. Auf einer Hektare wachsen schätzungsweise je 3000 Bäume. South Sackda ist die dritte Generation, welche die Kaffeefarm führt, die vierte Generation ist auch schon involviert. Auf der Farm gibt es ungefähr gleich viele Arabica- und Robusta-Pflanzen. South Sackda erklärt den Unterschied der beiden Kaffeesorten: «Robusta-Kaffee enthält mehr Koffein, während Arabica-Kaffee mehr Zucker enthält. Die eine Sorte ist nicht schlechter als die andere, die Entscheidung für oder gegen eine Sorte ist eine reine Liebhabersache.»

Die Ernte erfolgt im Winter
Die Arabica-Ernte beginnt ungefähr Mitte November. Sie dauert rund zwei Monate. Sobald die Arabica-Pflanzen geerntet sind, geht es bei den Robusta-Pflanzen los. Nach rund einem Monat ist auch diese Ernte abgeschlossen. Die Kaffeebohnen werden in jeweils drei Durchgängen geerntet. Das ist wichtig, denn nur rote Kaffeebohnen, die auch «rote Kaffeekirschen» genannt werden, sind reif. Es ist kaum zu glauben, aber jede einzelne Bohne muss von Hand geerntet werden, teilweise mit einer Leiter. Nach dem Ernten werden alle Kaffeebohnen gewaschen. Jetzt teilt sich der Weg: Während die schönsten Bohnen für vier Wochen auf einem grossen Gitter ausgelegt werden und an der Sonne trocknen, kommt der andere Teil in eine Maschine, wo die Kaffeebohnen geöffnet werden. Anschliessend durchlaufen diese den «Honey-Prozess». Die jetzt süssen, geöffneten Kaffeebohnen werden auf einem Gitter in einem Folientunnel ausgelegt, wo sie schnell trocknen. Was bei dieser Variante nur ein paar Tage benötigt, dauert beim sogenannten Naturprozess vier Wochen. Nach dieser Zeit ist die Schale der Kaffeebohnen auch bei den «naturgetrockneten» abgefallen.

Vom Morgen früh bis Abend
Ganzjährig arbeiten auf der Farm fünf Familienmitglieder sowie vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hofcafé und im Shop. Während der Kaffeeernte sind zusätzlich etwa zehn einheimische Helfer angestellt. Sie beginnen morgens um 7 Uhr und beenden ihre tägliche Arbeit um 17 Uhr. Einmal jährlich werden die zu hohen Bäume zurückgeschnitten, denn ernten mit der Leiter ist aufwendig und die Bäume wachsen jährlich etwa 150 Zentimeter. Wenn möglich, werden die Kaffeepflanzen jedes Jahr einmal mit Büffelmist gedüngt. So sind die Pflanzen gut mit Nährstoffen versorgt und der Ertrag kann etwas angehoben werden.
Laos hat 18 Provinzen, in elf davon wird Kaffee angebaut, am häufigsten im Süden auf dem Bolaven-Plateau, wo sich auch die Farm von South Sackdas Familie befindet. In Laos werden jährlich etwa 20 000 Tonnen Kaffee produziert, 75 Prozent Robusta und 25 Prozent Arabica.

Kaffeehandel organisiert
Für ein Kilo rote Kaffeekirschen der Sorte Arabica erhält der Produzent ungefähr 20 000 KIP, was rund Fr. 7.40 entspricht, für Robusta sind es 18 000 KIP. Sechs bis sieben Kilo rote Kaffeekirschen ergeben ein Kilo grüne Kaffeebohnen. Das Rösten erfolgt während zehn Minuten bei 220 Grad. Bei diesem Prozess verlieren die Bohnen nochmals 20 Prozent an Gewicht. In Laos gibt es viele kleinbäuerliche Produzenten und Selbstversorger. Wie die Familie von South Sackda verkaufen auch sie die roten Kaffeebohnen, die sie nicht selbst benötigen, an eine Genossenschaft, welche den fertigen Kaffee nach China, Thailand, Vietnam oder Frankreich exportiert. In Laos liegt der Ertrag im Kaffeeanbau deutlich tiefer als im weltweiten Durchschnitt, beim Robusta liegt er durchschnittlich bei 400 Kilo grünen Bohnen, beim Arabica bei 800 Kilo. Der Grund für die kleineren Erträge sind die sehr oft nachhaltigen und kleinbäuerlichen Strukturen. Wer den Aufwand der Kaffeeproduktion kennt, weiss, dass Kaffee ein Getränk ist, das grosse Wertschätzung verdient.

