SGBV-Präsident Ruedi Thomann zieht im Interview positive Bilanz nach einem Jahr im Amt

Seit etwas mehr als einem Jahr präsidiert Ruedi Thomann aus Valens den St. Galler Bauernverband (SGBV). Im Interview blickt er auf Themen wie Wil West und PFAS zurück, die in seinem ersten Amtsjahr 2026, beschäftigten. Trotz teils grossen Herausforderungen möchte der Meisterlandwirt den Berufskolleginnen und -kollegen Mut machen.

Ruedi Thomann präsidiert seit einem Jahr den St. Galler Bauernverband. Die Herausforderungen sind vielfältig. Bilder: Barbara Bäuerle-Rhyner
Ruedi Thomann präsidiert seit einem Jahr den St. Galler Bauernverband. Die Herausforderungen sind vielfältig. Bilder: Barbara Bäuerle-Rhyner

Herr Thomann, wie ist die Bilanz Ihres ersten Amtsjahres als Präsident des St. Galler Bauernverbands?

Ruedi Thomann: Sehr positiv. Es war ein Blitzstart, beispielweise mit öffentlichen Auftritten oder TV-Interviews. Natürlich bedeutete das für mich unbekanntes Terrain, die Rückmeldungen waren aber bisher stets erfreulich. Vor allem bin ich dankbar für die guten Leute und Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle sowie die Zusammenarbeit im Vorstand. Wie die Funktionalität dieser Bereiche ist und sich entwickelt, kann man vorgängig nicht klar sagen. Daher bin ich dankbar, dass bei uns im Verband alles so reibungslos funktioniert.

Mit Wil West hatten Sie bereits in Ihrem ersten Amtsjahr ein Thema auf dem Tisch, das die kantonale Landwirtschaft spaltete. Wie haben Sie diese Debatte wahrgenommen?

Thomann: Die Meinungen der Landwirte waren unterschiedlich und emotional. Das hat die Aufgabe für mich anspruchsvoll gemacht. Ich bin aber überzeugt, dass wir als Verband mit der Stimmfreigabe richtig gehandelt haben.

Hat sich Ihr Bekanntenkreis durch das Amt stark verändert?

Thomann: Er hat sich massiv erweitert. Es ist extrem, wie viele Leute man auch ausserhalb der Landwirtschaft kennenlernt. Ein Netzwerk mit Führungspersonen und Verbandsleitern aufzubauen ist interessant. Ich besuche auch zahlreiche Veranstaltungen oder darf Referate halten.

Zum Beispiel?

Thomann: Bei der Versammlung der Geschäftsführung des gesamtschweizerischen Verbands durfte ich den St. Galler Bauernverband vorstellen. Oder an einem Podium der Jäger mitwirken und darauf hinweisen, wie die Landwirtschaft beispielsweise zum Thema Rehkitzrettung steht.

Was sind die grössten Herausforderungen, auf die Sie zurückblicken?

Thomann: Sicher das Thema PFAS. Dieses beschäftigt mich seit Amtsbeginn und wird uns vermutlich noch eine Weile bewegen. Diese Geschichte hat mir schon schlaflose Nächte bereitet. Denn die Tatsache, dass es existenziell für unsere Bauernbetriebe werden kann, beschäftigt.

Wie ist die verbandsübergreifende Zusammenarbeit beispielsweise mit Kanton oder Amtsstellen?

Thomann: Wir pflegen allgemein einen guten Austausch. Sei es mit dem Regierungsrat, aber auch beispielsweise mit dem Umweltamt.

Hat sich Ihre Haltung gegenüber diesen Stellen und Ämtern verändert?

Thomann: Zuvor war ich kritisch gegenüber einigen Ämtern. Dies hat sich bereits in meiner Vorstandstätigkeit geändert beziehungsweise abgeschwächt. Seit ich Präsident bin und regelmässig die unterschiedlichen Ansichten höre, habe ich mehr Verständnis entwickelt. Diese Stellen sind nicht grundsätzlich gegen die Landwirtschaft, auch sie erfüllen ihre Vorgaben. Dennoch werden unsere Forderungen nach wie vor klar kommuniziert. Dank regem Austausch und offenen Gesprächen, auch wenn diese nicht immer zur Zufriedenheit aller ausfallen, wird man verständnisvoller.

Wie sieht es aktuell beim Thema Wolf aus?

Thomann: In diesem Bereich wurde bereits gut vorwärtsgearbeitet. Nun ist es wichtig, dass auf die Regulierungen ein Finger gelegt wird, damit diese auch umgesetzt werden. Wenn, wie in Flums, ein Wolf in Siedlungsnähe auftaucht, kommunizieren wir unsere Meinung und Forderung klar.

Worin sehen Sie aktuell die grössten Aufgaben?

Thomann: In der AP 2030. Aber auch die Gewässerräume werden uns noch intensiv beschäftigen sowie die Umsetzung des Raumplanungsgesetzes (RPG2). Die Initiative für eine sichere Ernährung (Vegan-Zwang-Initiative,) die noch in diesem Jahr zur Abstimmung kommt, möchten wir mit 80 Prozent Nein ablehnen.

«Ein Ziel sollte sicher sein, dass in der Schweizer Landwirtschaft rund zwei Milliarden mehr über die Produkte erwirtschaftet werden.» Das waren Ihre Worte bei Amtsantritt. Gibt es Anzeichen, dass dieses Ziel greifbarer wird?

Thomann: Ja, das ist ein zentraler Punkt in der AP 2030. Es ist essenziell, dass der Fokus auf die Produktion und die Einkommenssituation gesetzt wird. Daran arbeiten wir mit dem Schweizer Bauernverband aktiv. Für die Umsetzung ist das Parlament nach den Wahlen 2027 zuständig. Aus diesem Grund ist es eine weitere Aufgabe der Kantonalverbände, Leute zu motivieren, sich politisch einbringen.

In Valens bewirtschaftet Ruedi Thomann einen Betrieb mit Mutterkühen, Galt- und Jungvieh.
In Valens bewirtschaftet Ruedi Thomann einen Betrieb mit Mutterkühen, Galt- und Jungvieh.

Welche weiteren Ziele verfolgt der St. Galler Bauernverband?

Thomann: Ein erklärtes Ziel ist ganz klar, den hohen Mitgliederanteil von 94 Prozent zu halten, wenn nicht zu steigern. Es ist wichtig, dass wir die Anliegen der Mitglieder ernst nehmen und uns einsetzen. Im Weiteren möchten wir die Öffentlichkeitsarbeit in Städten ausbauen. Landwirtschaftsfremde Leute aufzuklären gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Wie hat sich das Präsidium auf Ihr privates Umfeld ausgewirkt?

Thomann: Überraschend gut. Es ist bedeutend, dass die ganze Familie dahintersteht und auch mal kurzfristig Arbeiten auf dem Betrieb übernommen werden können. Wichtig ist eine gute Organisation.

Sie bewirtschaften selbst einen Bergbauernbetrieb mit Mutterkühen, Galt- und Jungvieh. Was bewegt Sie persönlich als Landwirt am meisten?

Thomann: Auch hier ist es die PFAS-Situation. Obwohl wir nicht betroffen sind, ist einem als Betriebsleiter bewusst, wie einschneidend dieses Thema für jeden Hof sein kann.

Was möchten Sie den Bäuerinnen und Bauern in ihren Berufsalltag mitgeben?

Thomann: Weiterhin mit viel Engagement und Herzblut den Betrieb zu bewirtschaften. Wenn es schwierig wird, das Gespräch zu suchen – sei es mit dem Verband, Amtsstellen oder einem Berater. Gerade wenn es nicht rundläuft, sollte versucht werden, den richtigen Weg zu finden. Denn grundsätzlich haben wir einen der schönsten Berufe, die man ausüben kann.

Sagen Sie das auch den Milchbauern?

Thomann: Gerade in der Milchwirtschaft ist die Botschaft, mit Herzblut weiterzumachen, wichtig. Die Situation ist schwierig, aber die Aussichten sind gut. Das Problem ist ja nicht die Menge, sondern die Kapazitäten der Verarbeitungsbetriebe, daran muss gearbeitet werden. Milch wird ein gesuchtes Produkt sein. Jeder weiss, dass es immer mehr Menschen und weniger Milchkühe auf der ganzen Welt gibt.

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