Roger Gut im Interview zu seinem ersten Jahr als LZSG-Leiter

Roger Gut leitet seit Juli 2025 das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen (LZSG) in Salez und Flawil. Der Agronom mit Schwerpunkt Unternehmensführung wuchs auf einem Thurgauer Bauernbetrieb auf. Nach seinem ersten Amtsjahr spricht er über seine Ziele, aktuelle Herausforderungen und die Ausrichtung des LZSG.

Der Thurgauer Roger Gut leitet seit einem Jahr das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen in Salez und Flawil. Bilder: Ramona Riedener-Mazenauer
Der Thurgauer Roger Gut leitet seit einem Jahr das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen in Salez und Flawil. Bilder: Ramona Riedener-Mazenauer

Roger Gut, Sie sind seit einem Jahr Leiter des LZSG. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Roger Gut: Mir kommt es vor, als hätte ich erst gestern angefangen. Die ersten Monate waren intensiv, spannend und bereichernd. Besonders beeindruckt haben mich die Breite und Qualität unserer Dienstleistungen am LZSG sowie die hohe Leistungsbereitschaft und die starke Teamkultur. Ebenso beeindruckt mich die Vielfalt und Professionalität der St. Galler Landwirtschaft: Vom Gemüsebau im Rheintal über den Ölsaatenanbau im Fürstenland bis zur Alpwirtschaft im Toggenburg. Ich blicke auf ein spannendes erstes Jahr zurück.

Was hat Sie in dieser Funktion bisher am meisten gefordert?

Gut: Am meisten gefordert haben mich die vielen personellen und organisatorischen Veränderungen, die gleichzeitig zu bewältigen waren. Anspruchsvoll war zudem die Balance zwischen Tagesgeschäft und strategischer Weiterentwicklung. So mussten wir den operativen Betrieb des Tagungszentrums sicherstellen und gleichzeitig den Wechsel in der Bereichsleitung sowie den Ersatzneubau des Verwaltungsgebäudes mit zusätzlichen Schulungs-, Büro- und Versuchsräumen planen. In diesem Umfeld mit vielen Themen ist es anspruchsvoll, richtig zu priorisieren.

Wo konnten Sie bereits erste Akzente setzen?

Gut: Erste Akzente konnte ich vor allem intern setzen. Es ist mir gelungen, die Verantwortung stärker in den Teams zu verankern. Dadurch haben die Ressorts heute mehr Schlagkraft und sind weniger von mir abhängig. Den Gutsbetrieb haben wir personell und konzeptionell neu ausgerichtet, mit einem klaren Fokus auf die Rindviehhaltung und die Anbauversuche. Mit dem neuen Betriebsleiter und den landwirtschaftlichen Mitarbeitenden bin ich fachlich sowie persönlich zufrieden und zuversichtlich, dass wir nach schwierigen Jahren wieder in ruhigere Gewässer fahren. Zudem haben wir den Fokus auf strategische Themen geschärft, wie etwa die regionale Wertschöpfung, Innovationsmanagement und Smart Farming.

Was gehört zu Ihren wichtigsten Aufgaben an der Spitze des LZSG?

Gut: Zu meinen wichtigsten Aufgaben an der Spitze des LZSG gehört es, gute Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden zu schaffen und das LZSG strategisch weiterzuentwickeln. Wir wollen das LZSG als verlässlichen Partner für die Landwirtschaft positionieren und die Qualität in Bildung, Beratung und im Versuchswesen dauerhaft sichern.

Womit sind Sie in Ihrem Arbeitsalltag derzeit am meisten beschäftigt?

Gut: In meinem Arbeitsalltag beschäftigen mich zurzeit vor allem Personal- und Organisationsthemen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung unserer Betriebe, insbesondere des Gutsbetriebs und des Tagungszentrums. Politisch ist die AP 2030+ ein wichtiges Thema, dadurch erhalten Beratung und Bildung im Hinblick auf die künftige Agrarpolitik mehr Gewicht. Zusätzlich fordert uns das Thema PFAS in der Beratung stark, die entsprechende Projektgruppe am LZSG leite ich persönlich.

Roger Gut möchte, dass sich das LZSG in den nächsten Jahren weiter als starkes Kompetenzzentrum für Bildung, Beratung und Versuche profilieren kann.
Roger Gut möchte, dass sich das LZSG in den nächsten Jahren weiter als starkes Kompetenzzentrum für Bildung, Beratung und Versuche profilieren kann.

Was belastet die St. Galler Bäuerinnen und Bauern im Moment am meisten?

Gut: Die aktuelle Lage setzt vielen Betrieben an mehreren Fronten zu. Besonders spürbar ist der wirtschaftliche Druck, vor allem in der Milchwirtschaft, kombiniert mit steigenden Kosten. Gleichzeitig nehmen regulatorische Vorgaben, Umweltauflagen und komplexe Themen wie PFAS zu. Das erhöht auch die mentale Belastung, weil Markt und Gesellschaft immer mehr von der Landwirtschaft erwarten. Zudem wird die Landwirtschaft kapitalintensiver und viele Betriebe beschäftigt die Frage nach Arbeitskräften und einer gesicherten Hofnachfolge.

Wie erleben Sie die Stimmung in der Landwirtschaft?

Gut: Ich erlebe die Stimmung in der Landwirtschaft mehrheitlich kollegial und verbindlich. Gleichzeitig ist sie teilweise angespannt, die Belastung ist deutlich spürbar. Beeindruckend ist für mich die hohe Bereitschaft, aktiv nach Lösungen zu suchen. Trotz allen Herausforderungen bleibt die Landwirtschaft widerstandsfähig und unternehmerisch.

Welche Themen sind in der Beratung derzeit besonders aktuell?

Gut: Ein Schwerpunkt in der Beratung ist PFAS, insbesondere die Begleitung betroffener Betriebe. Stark gefragt ist auch die Betriebsberatung, vor allem bei wirtschaftlichen und strategischen Entscheidungen. Zudem rücken Bodenschutz und Biodiversität immer stärker in den Fokus.

Was braucht es, damit junge Leute in der Landwirtschaft bleiben?

Gut: Damit junge Leute in der Landwirtschaft bleiben, braucht es vor allem solide wirtschaftliche Perspektiven. Wer einen Betrieb übernimmt oder einsteigt, muss sehen, dass sich Leistung und Risiko lohnen. Wichtig sind auch unternehmerische Freiräume, damit die jungen Berufsleute eigene Ideen umsetzen und ihre Betriebe weiterentwickeln können. Und es braucht mehr gesellschaftliche Wertschätzung für den Beruf, gerade weil die Anforderungen stetig steigen.

Wohin soll sich das LZSG in den nächsten Jahren entwickeln?

Gut: Das LZSG soll sich in den nächsten Jahren weiter als starkes Kompetenzzentrum für Bildung, Beratung und Versuche profilieren. Wichtig ist mir, dass wir uns noch besser mit der Branche und den nachgelagerten Bereichen vernetzen. Gleichzeitig wollen wir die Praxisnähe und die Relevanz für die Landwirtschaft stärken und die Kultur der Zusammenarbeit im LZSG weiterentwickeln.

Was möchten Sie in Ihrem zweiten Amtsjahr anpacken?

Gut: In meinem zweiten Amtsjahr möchte ich den Leistungsauftrag des LZSG für die nächsten Jahre erneuern und dabei unser Leistungsportfolio schärfen. Wichtig ist mir eine frühzeitige Nachfolgeregelung für die in Pension gehenden Ressortleitenden und Fachstellenleiter. Wo möglich, setze ich auf Vereinfachung und Digitalisierung der Prozesse, damit wir unsere personellen Ressourcen gezielt für die Kernaufgaben in Bildung, Beratung und Versuchen einsetzen können. Zudem möchte ich die Organisation kulturell und strategisch weiter stärken.

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