Olma Säulirennen: «Ich gehe in die Arena und gebe Vollgas»

Das Säulirennen an der Olma ist ein Publikumsmagnet. Christian Manser präsidiert die Olma-Tierschauen und moderiert jeden Olma-Tag um 16 Uhr das Rennen in der Arena. Wie er mit Kritik umgeht und wie er selbst die Sau rauslässt, erzählt er im Interview.

Christian Manser arbeitet am LZSG in Flawil als Rindviehberater. Er moderiert auch das Säulirennen an der Olma. Bild: meg
Christian Manser arbeitet am LZSG in Flawil als Rindviehberater. Er moderiert auch das Säulirennen an der Olma. Bild: meg

Christian Manser arbeitet seit 25 Jahren am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) in Flawil, davon 18 Jahre als Standortleiter. Er ist Berater für die Fachstelle Rindvieh und unterrichtet Lehrlinge und Betriebsleiter. Viele Bäuerinnen und Bauern kennen ihn auch als Kuhsignaltrainer. Der 54-Jährige präsidiert nun im 22. Jahr die Olma-Tierschauen. Er ist verantwortlich für alle Tierausstellungen, Schauen in der Arena, trifft unter anderem Vorbereitungen, koordiniert und ist in Kontakt mit Zuchtverbänden und Gastkantonen. Das Olma-Säulirennen gibt es seit 26 Jahren, seit 22 Jahren wird es von Christian Manser moderiert.

Sie sind im In- und Ausland als Kühflüsterer bekannt. Welche Beziehung haben Sie zum Schwein?

Christian Manser: Ich bin auf einem Bauernhof mit Schweinehaltung aufgewachsen. Wir hielten damals fünf bis sieben Zuchtsauen. Ich konnte es jeweils kaum erwarten, bis die Sauen abferkelten, und habe bei der Geburt immer sehr gerne geholfen. Damals wollte ich Tierarzt werden.

Es kam anders. Sie studierten an der ETH in Zürich Agrarwissenschaften und wurden Rindviehspezialist. Welchen Stellenwert hat die Kuh für Sie?

Manser: Schweine sind coole Tiere. Doch zu Kühen baut man eine ganz andere Beziehung auf, darum sind Kühe meine absoluten Lieblingstiere.

Wenn das Säulirennen um 16 Uhr beginnt, sind die Hallen wie leer gefegt. Der Erfolg der Show ist wohl auch Ihren Sprüchen zu verdanken?

Manser: Das sehe ich nicht so. Es gibt verschiedene Erfolgsfaktoren. Wenn ein Schwein rennt, ist das «glatt» zum Zuschauen. Das Rennen spricht Zuschauer jeden Alters an. Es vermittelt den Kontakt zur Landwirtschaft. Man kann Wetten abschliessen und das Publikum macht Stimmung. Ich fülle nur die Zeit, während im Hintergrund Vorbereitungen laufen. Meine Rolle ist nicht so wichtig.

Sie stellen Ihr Licht unter den Scheffel. SRF-Moderator Aeschbacher bezeichnete Sie als «saumässigen Beni Thurnheer» und das «Tagblatt» betitelte sie als «Beni Thurnheer der Olma».

Manser: Ob das ein Kompliment ist?

Haben Sie den «Schnorri der Nation» schon mal persönlich getroffen?

Manser: Nein.

Zürich ist Gastkanton. Einige der 15 Olma-Säuli bekommen ja einen Namen mit Verbindung zum Gastkanton. Möglicherweise geht ein Beni ins Rennen.

Manser: Am Rennen nehmen nur weibliche Schweine teil.

Warum das?

Manser: Das hat anatomische Gründe. Bei Ebern scheuert das Mäntelchen an den Genitalien.

Also wenn kein Beni mitläuft, dann vielleicht ein «Züri-Gschnetzlets»?

Manser: Eher nicht. Die Namen sollten weiblich, kurz und knackig sein. Wir haben uns noch nicht für die Namen entschieden. Die Taufe findet erst zwei Wochen vor der Olma statt.

Als Moderator des Säulirennes machen Sie Stimmung, ernten aber auch Kritik wegen sexistischer Sprüche. Wie gehen Sie damit um?

Manser: Wo steht das? (lacht) Ich gehe locker damit um. Es gibt viele Tabuthemen, die man nicht ansprechen darf, und die Leute sind empfindlicher geworden. Meine Sprüche werden unterschiedlich wahrgenommen. Es gibt immer Menschen, die regelrecht nach etwas suchen und kritisieren. In meinem Job muss man nicht gut reden können, aber man muss einstecken können.

Demotiviert Sie das nicht?

Manser: Man darf die Kritik nicht zu nahe an sich heranlassen. Mein Umfeld nimmt es meist persönlicher. Ich mache im Bereich Kuhsignale auch viel, und wenn sich jemand wie ich oft und weit aus dem Fenster lehnt, gibt es immer Leute, denen das nicht passt. Das geniesse ich. Irgendwann sieht man sich der Kritik entspannt gegenüber. Ich konzentriere mich nur auf den Moment, sage mir: «Heute gibt es das geilste Rennen, das es je gegeben hat», und dann gehe ich hinaus in die Arena und gebe Vollgas.

Auch der Tierschützerin und Kuhglocken-Gegnerin Nancy Holten war das Rennen ein Dorn im Auge. Sie verlangte die Abschaffung des Rennens.

Manser: Es gab viel mediale Aufmerksamkeit und beste Werbung für das Säulirennen. Wenn es das nächste Mal einen ähnlichen Skandal gibt, muss dieser am ersten Wochenende der Olma ausgelöst werden. Das ist beste Werbung.

Es läuft einiges in- und ausserhalb der Arena. Wichtig ist aber auch, dass die Sauen laufen. Trainiert werden die Tiere von Susanne Milz und ihrer Schwiegertochter in Amlikon-Bissegg. Wie läuft so ein Training ab?

Manser: Die Schweine werden von Familie Milz ausgewählt und auf die Musik und das Futter konditioniert. Im rund zweimonatigen Trainingslager lernen sie die Absperrung und die Startmaschine kennen und werden an das Mäntelchen gewöhnt.

Gehen die Tiere auch wieder nach Amlikon-Bissegg zurück?

Manser: Ja, auf dem Betrieb Milz werden sie ausgemästet.

Gibt es keinen extra Olma-Säuli-Rennspeck?

Manser: Wir haben es probiert, aber Aufwand und Ertrag stimmten nicht.

Nicht nur in der Arena ist das Säuli ein wichtiges Tier. Sie haben schon vielen Bundesräten ein Schwein in die Hände gedrückt.

Manser: Das ist jedes Mal ein riesiger Medien- und Zuschauerrummel. Dann erscheinen in allen Zeitungen Bilder vom Bundesrat mit Säuli und die ganze Schweiz weiss: Es ist Olma.

Darf man in den nächsten Jahren noch mit Ihrer Show am Säulirennen rechnen?

Manser: Ich habe keinen langjährigen Vertrag. Mein Einsatz hängt von der Olma-Messeleitung ab. In diesem Jahr habe ich nochmals eine Chance erhalten (lacht).

Wie lassen Sie selbst die Sau raus?

Manser: Im Job habe ich die Gelegenheit, ich motiviere und unterstütze die Landwirte gerne. Auch beim Biken kann ich das gut. Aber am lautesten lasse ich die Sau bei einem Spiel des FC St. Gallen raus.

Christian Manser hat schon etlichen Bundesräten ein Säuli in die Hand gedrückt. Im Jahr 2022 war Ignazio Cassis an der Reihe. Bild: Michael Huwiler, foto-huwi.ch
Christian Manser hat schon etlichen Bundesräten ein Säuli in die Hand gedrückt. Im Jahr 2022 war Ignazio Cassis an der Reihe. Bild: Michael Huwiler, foto-huwi.ch

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