Brunnerhof und Karlshof im Fokus der LKG-Herbsttagung

Der Vorstand der Landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft des Kantons St. Gallen (LKG) trifft sich jährlich zur Herbsttagung. Dabei bot sich die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von unterstützten Projekten zu machen. Dieses Jahr führte die Exkursion zum Brunnerhof in Niederwil und zum Karlshof in Rossrüti.

Bei der Herbsttagung der Landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft des Kantons St. Gallen (LKG) besucht der Vorstand traditionell mit Finanzhilfe unterstützte Projekte. Dieses Jahr wurden der Brunnerhof in der Glattburg bei Niederwil und der Karlshof in Rossrüti besucht.

Monja und Ernst Brunner führen den Betrieb in der Glattburg in fünfter Generation. Bilder: zVg.
Monja und Ernst Brunner führen den Betrieb in der Glattburg in fünfter Generation. Bilder: zVg.

Extensive Milchproduktion

Zur Einführung informierte Ernst Brunner den Vorstand, die Gäste und die Mitarbeitenden der LKG über die Geschichte der Glattburg sowie die Entwicklung des heutigen Brunnerhofs mit Bio-Zertifizierung. An-schliessend folgte die Besichtigung des neuen Milchviehstalls für rund 45 Kiwi-Cross-Kühe – einer aus Neuseeland stammenden Kreuzungsrasse aus Holstein und Jersey. Diese leichten Tiere eignen sich hervorragend für einen Vollweidebetrieb.

Neben der Landwirtschaft führt Ernst Brunner eine Veranstaltungsfirma, die ihn tagsüber stark beansprucht. Eine Vollweidestrategie mit Milchkühen passt deshalb ideal zu seinem Betrieb und war auch umsetzbar, weil das eigene Grünland, voll arrondiert, um den Hof verläuft.

«Tschelatti» vom Hof

Der grosszügige Hallenstall mit seitlichem Futterlager und offenen Fassaden sorgt für ein optimales Stallklima. Dank natürlicher Bewegung und einer stressfreien Umgebung fühlen sich die Tiere wohl und bleiben gesund. Rund um die Uhr haben sie Zugang zur Futteraufnahme im Freien und können selbst entscheiden, ob sie sich drinnen oder draussen aufhalten möchten. Die Weidewege mit entsprechenden Toren führen die Tiere auf die verschiedenen Koppeln.

Im Stall übernimmt ein Melkroboter die Arbeit, auch die Fütterung erfolgt automatisch. So gewinnt Ernst Brunner Zeit für den direkten Kontakt mit seinen Tieren. Ein Grossteil der Biomilch wird an die Züger Frischkäse AG geliefert. Der Rest bleibt auf dem Hof und wird in der hofeigenen Glacemanufaktur verarbeitet. Eine feine Portion «Tschelatti» durfte bei der Führung natürlich nicht fehlen.

2000 Legehennen

Vom Biobetrieb in der Glattburg ging es weiter nach Rossrüti zum Karlshof. Dort wurden die Teilnehmenden von Philipp und Elisabeth Schönenberger herzlich empfangen. Der Karlshof ist seit 1880 im Familienbesitz. Am 1. Januar 2019 übernahm Philipp Schönenberger den Betrieb in fünfter Generation. Heute leben hier rund 2000 Legehennen, 23 Aufzuchtrinder, 6 Ziegen und 3 Katzen. Die Ziegen leisten dabei einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Hühner vor dem Fuchs.

Philipp und Elisabeth Schönenberger führen den Karlshof ebenfalls in fünfter Generation.
Philipp und Elisabeth Schönenberger führen den Karlshof ebenfalls in fünfter Generation.

Bei der Führung durch den 2021 neu erbauten Legehennenstall gaben die Betriebsleiter Einblick in ihre täglichen Arbeiten. Der Stall ist fast vollständig automatisiert: Beleuchtung, Fütterung, Körnerstreuer und Auslaufschieber werden zeitgesteuert. Dennoch bleibt viel Handarbeit, etwa das Finden von verlegten Eiern, Reinigen, Stempeln und Stapeln der Eier. Auch Kontrollgänge, das Misten und das Spülen der Wasserleitungen gehören zum festen Programm. Alle Arbeiten zusammen beanspruchen drei bis vier Stunden pro Tag und lassen Raum für eine zusätzliche ausserbetriebliche Tätigkeit.

Besondere Herausforderungen in der Legehennenhaltung sind das Halten einer trockenen Einstreu sowie die Regulierung eines ausgeglichenen Stallklimas. Eine konsequente Hygiene ist zudem entscheidend, um den Krankheitsdruck tief zu halten.

Flächen getauscht

Ein weiteres Merkmal des Karlshofs ist die freiwillige Flächenarrondierung. Aufgrund der Vielzahl kleiner Parzellen in der Region tauschten die Schönenbergers in Absprache mit drei Nachbarbetrieben Flächen im Verhältnis eins zu eins aus – ganz ohne Pachtzinsen. Dies ermöglicht eine effizientere und nachhaltigere Bewirtschaftung.

Die Teilnehmenden der Herbsttagung schätzten den Austausch auf den beiden Betrieben und waren vom Engagement der Betriebsleitenden und ihren Familien beeindruckt. Einmal mehr wurde aufgezeigt, wie vielfältig die St. Galler Landwirtschaft aufgestellt ist.

Situation Investitionskredite

Die Nachfrage nach Finanzhilfen ist derart stark gestiegen, dass die vorhandenen Bundesmittel aktuell nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Die LKG hat daher beim Kanton ein kurzfristiges Darlehen aufgenommen, um die zugesicherten Darlehen zeitgerecht auszahlen zu können. Aufgrund der aktuellen Situation werden die Rückzahlfristen für Investitionskredite wie folgt verkürzt: Starthilfen von bisher elf auf zehn Jahre, alle übrigen Investitionskredite von bisher 17 auf 15 Jahre. Diese neue Regelung tritt per 1. Januar 2026 in Kraft. Die LKG prüft weitere Massnahmen, um Wartefristen bei Auszahlungen so tief wie möglich zu halten.

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