Hansruedi Kipfer kann sein Jubiläum als Älpler auf der Chrüzegg feiern

Vor 20 Jahren übernahm Hansruedi Kipfer die Arbeiten als Älpler auf der Wattwiler Chrüzegg. Zusammen mit Röbi und Maria Manser hat sich ein eingespieltes Team gebildet, das sich gegenseitig wertschätzt.

Hansruedi Kipfer arbeitet seit 20 Jahren als Älpler auf der Chrüzegg.
Hansruedi Kipfer arbeitet seit 20 Jahren als Älpler auf der Chrüzegg.

Aufgewachsen ist Hansruedi Kipfer in Wattwil zusammen mit einem jüngeren Bruder. Schon früh entdeckte er die Liebe zur Landwirtschaft. Ab der zweiten Klasse war er während der Sommerferien und an den Wochenenden im Wattwiler Eggli auf dem Alpbetrieb bei Walter Bachmann anzutreffen. Nach seiner Ausbildung als Landwirt EBA arbeitete er eineinhalb Jahre auf dem Lehrbetrieb weiter, ehe er die Stelle als Älpler in der Chrüzegg antrat. Die Alp hat vielerlei zu bieten: Vieh, Milchwirtschaft, eigene Käserei und das Berggasthaus Chrüzegg. Jeden Tag treffen Wanderer und Biker auf der Chrüzegg ein. Sei es für einen Apfelsaft, ein Bierchen oder Pommes – die Tagesausflügler geniessen den Aussichtspunkt. Ab und an ist auch eine Gesellschaft anzutreffen, die Hochzeit oder Geburtstag feiert und hier übernachtet. «Eine Alp ohne Kontakt, ohne Menschen wäre nichts für mich», erklärt Hansruedi Kipfer. Er mag es, wenn etwas läuft. Da er landwirtschaftlich vielfältig interessiert ist und vielfach auf dem aktuellen Stand, wird ein Gespräch mit ihm nie langweilig.

Freude an der Arbeit

Das Hauptaugenmerk von Hansruedi Kipfer liegt jedoch beim Vieh und der Weidepflege. «Vier Wochen vor Alpauffahrt komme ich auf die Chrüzegg und beginne, alles einzurichten», erklärt der Älpler. Je nach Futterangebot ist die Alpauffahrt Ende Mai/Anfang Juni. Die Alp Chrüzegg auf 1265 Metern über Meer umfasst mit Wald rund 63 Hektaren und gehört der Familie Manser. «Im Frühling sind es ‚gut-gräsige‘ Weiden und meistens reicht es für ein Zweit-Gräsli», weiss Hansruedi Kipfer. Sechs «Plätz» gibt es zu beweiden. In der unteren Chrüzegg hat es nochmals drei. «Eine schöne Tradition ist, dass es einen ‚Plätz‘ gibt, den wir immer nach einem Monat heuen», erzählt der Mühlrütner. Die Arbeit rund um den Alpbetrieb fällt ihm leicht, es ist ihm eine Freude: hagen, Weide pflegen, Vieh zügeln, Vieh aufmerksam auf die Gesundheit beobachten. Und er ist flexibel. «Als sie im Restaurant mit dem Abwasch nicht nachkamen, habe ich auch schon mal ausgeholfen, im Gegenzug werde ich aber auch im Restaurant verpflegt», erzählt er lachend.

Hansruedi Kipfer mit einem seiner Blüem-Rinder, das auch den Sommer auf der Chrüzegg geniesst.
Hansruedi Kipfer mit einem seiner Blüem-Rinder, das auch den Sommer auf der Chrüzegg geniesst.

Besonders die Arbeit mit dem Vieh gefällt dem 40-Jährigen. Wenn dann noch schönes Wetter ist, dann gleicht das einem Sommertraum. Auf der Chrüzegg verbringen jeweils 18 Milchkühe und 52 Stück Jungvieh den Alpsommer. «Die ersten Tage sind wichtig im Umgang mit dem Vieh. Man muss die Ruhe bewahren. Alle kommen aus verschiedenen Betrieben aus Wattwil, Oberhelfenschwil, Alt St. Johann, Libingen, Mosnang und dem Thurgau. Das Vieh kommt aus dem Laufstall oder Anbindestall auf die Alp. Da muss man sie an die neuen Lebensbedingungen erst mal gewöhnen», erklärt der erfahrene Landwirt. Vielfach werden die Kühe als Erste in die Weiden gelassen und in einem Nachschnitt die Rinder. Die Milch wird zu Chrüzegg-Mutschli und Alpkäse verarbeitet. Regelmässig schmiert Hansruedi Kipfer die Käselaibe. Käsermeister ist Röbi Manser. Pro Jahr werden 1800 Kilo Käse produziert.

Alpabfahrt und Ferien

«In einem guten Sommer umfasst die Alpzeit 14 Wochen», erklärt der Älpler. Die Alpabfahrt wird traditionell durchgeführt: Die Familie Manser organisiert den Tag und schmückt das Vieh, bevor es runter ins Tal geht, zur «Krone» in Mosnang. «Nach diesem Tag ist es schon ein komisches Gefühl, wenn man auf die Alp zurückkehrt und der Stall leer ist, wo vorher so viel Leben war», erzählt Hansruedi Kipfer. In den nächsten drei Wochen räumt er die Alp und die Alphütte auf und macht sie für den Winter bereit.

Traditionell folgt dann ein Monat Ferien. Doch es ist nicht die Karibik, die den Landwirt lockt, sondern die Viehschauen. «Zehn bis 15 Viehschauen besuche ich pro Saison», erzählt er. Die Viehzucht ist seine Leidenschaft. «Hansruedi hat ein gutes Auge fürs Vieh. Er kennt sich aus», erklärt Röbi Manser. Besonders bei Blüem-Kühen kommt Hansruedi Kipfer ins Schwärmen. Er besitzt selbst vier Blüem-Kühe und Jungvieh. Einige verbringen auch den Alpsommer auf der Chrüzegg. Nebst den Viehschauen nutzt er den Herbst auch für ausgiebige Wanderungen und um die Bergwelt zu geniessen.

Anruf im Januar

Im Winter, also vom 1. November bis 30. April, arbeitet er als selbstständiger Betriebshelfer. Vielfach bei denselben Betrieben. Nebst den Stallarbeiten gilt es auch, 300 bis 350 Rinder zu scheren. Für Hansruedi Kipfer eine Arbeit, die er gerne macht. Je nachdem, wie zahm die Tiere sind, werden pro Tag 15 bis 17 Tiere geschert. An schönen Tagen nimmt der Älpler die Wanderschuhe hervor und stattet der Chrüzegg am Sonntagmittag einen Besuch ab. Der erste Alptag wird herbeigesehnt. Und wenn im Januar bei Röbi Manser das Handy klingelt und Hansruedi Kipfer fragt, ob er schon «Veech agnoh hett», dann weiss dieser: Der Älpler bleibt ihm ein weiteres Jahr treu.

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