Jeanette Fitze ist Haflinger-Züchterin mit internationalen Siegen
Jeanette Fitze züchtet auf der Flawiler Egg mit Leidenschaft Haflinger. Mit ihrer Stute Baileys JTF holte sie an der Weltausstellung in Ebbs den 1A-Preis und den 4. Rang im Endring – ein Erfolg, der die Qualität ihrer Zucht bestätigt.

Im Frühjahr reiste Jeanette Fitze mit drei ihrer vier Zuchtstuten an die Haflinger-Weltausstellung in Ebbs im Tirol. Diese findet nur alle fünf Jahre statt und ist weltweit die grösste Rassenschau für Pferde überhaupt. Dabei erreichte ihre Stute Baileys JTF den begehrten 1A-Preis und im Endring die Schleife zum 4. Rang. Obwohl sie damit das Podest knapp verpasste, reichte es beim Nationenpreis für den Reservesieg. Auch ihre beiden anderen Stuten platzierten sich gut. «Für mich als Züchterin war es eine schöne Genugtuung, dass meine Pferde auch international mithalten können», sagt Jeanette Fitze. «Der Haflinger ist ein ‚Chrampfer’», schwärmt sie. Die Pferde seien ungemein vielseitig und in allen Sparten unkompliziert. Ausserdem haben sie mit ihrer besonderen Fellfarbe und der hellen, vollen Mähne einen grossen Wiedererkennungseffekt.
Von Kindsbeinen an
Die Liebe zu den Haflingerpferden wurde Jeanette Fitze-Wiederkehr sozusagen in die Wiege gelegt. Denn bereits ihr Vater und ihr Onkel waren leidenschaftliche Haflingerzüchter. Als Neunjährige erhielt sie von ihrem Vater ihr erstes Fohlen Aron geschenkt, mit dem sie 25 lehr- und erfolgreiche Jahre verbringen durfte. Mit dem Umzug aus dem Neckertal zu ihrem Mann zogen auch zwei Haflingerwallache auf die Flawiler Egg. Nicht lange, und auch Tobias Fitze war von den Haflingern fasziniert. So kauften die beiden im Jahr 2011 ihr erstes Haflingerstutfohlen Amira. Zwei Jahre später gesellte sich mit Lavina ein zweites Stutfohlen hinzu. Fitzes haben beide Jungpferde selber ausgebildet und erfolgreich am Feldtest vorgestellt. Im Jahr 2016 kam dann das erste selber gezüchtete Fohlen auf der Flawiler Egg auf die Welt. Dieses erhielt zum Namen das Kürzel JTF, was, wie in der Pferdezucht üblich, für die Züchter Jeanette und Tobias Fitze steht. Zwei Jahre später ergänzte die Familie Fitze ihre Zucht mit dem Kauf der Stute Palma und ihrem dreitägigen Fohlen Baileys JTF mit einer weiteren Blutlinie. In den kommenden Jahren setzte sie ihre Stute immer sorgfältig in der Zucht ein. «Das Wohl der Pferde steht an oberster Stelle», sagt sie. Deshalb erhalten die Stuten immer wieder Zuchtpausen. Auch in den Jahren, in denen eine Schau für die Stuten ansteht, erhalten sie eine Pause. Die Stuten werden regelmässig gefahren und geritten und in Reitstunden und an Kursen eingesetzt. Für den Einsatz im Sport bleibt aber neben der Zucht keine Zeit mehr. «Alles miteinander ist einfach zu viel für die Stuten und liegt für uns zeitlich nicht drin», so Jeanette Fitze. Besonders dankbar ist die Züchterin, dass neben ihrem Mann mittlerweile auch ihre beiden Töchter Lenya und Muriel, zwölf und zehn Jahre alt, begeistert mithelfen und auch schon beide je eine eigene Stute besitzen.

Seltene Blutlinien bevorzugt
Bei der Auswahl der Hengste kann die Züchterin schon mal stundenlang recherchieren. «Ich lege viel Wert auf seltene Blutlinien und vermeide eine zu nahe Verwandtschaft zu meinen Stuten», sagt sie. Ausserdem schaut sie sich die Hengste vor Ort an. Dabei stört es sie nicht, lange Fahrtwege auf sich zu nehmen. Das Hauptaugenmerk bei der Auswahl der Zuchttiere liegt bei Jeanette Fitze immer auf dem Charakter. «Unser Ziel ist, ein charakterstarkes, leistungsbereites und vielseitiges Pferd zu züchten, das in allen Sparten und von jedermann oder jederfrau eingesetzt werden kann», sagt sie. Ebenfalls wichtig seien Gesundheit und ein korrektes Exterieur sowie gute Gänge.
Ihr Zuchtrezept ist erfolgreich. Sie hat mit ihren Pferden begehrte Preise gewonnen. So ging im Jahr 2021 ein Traum für die Haflingerzüchterin in Erfüllung. Ihre Stute Baileys JTF gewann den Titel Miss Schweiz. Ein halbes Jahr später im Februar 2022 folgte dann der Körungssieg bei der Hengstkörung des selbst gezogenen Hengstes Sony JTF. Im Herbst desselben Jahres siegte Linnea JTF, das Stutfohlen von Lavina, an der Fohlenschau. Die Stute Baileys JTF konnte auch international brillieren und holte sich an der Landesschau in Schluderns 2024 den 4. Rang und die erste internationale Schleife. Die zweite folgte dieses Frühjahr an der Weltausstellung. Auch auf dem Verkaufsmarkt sind JTF-Haflinger gefragt, in der Regel kann sie diese schon als Fohlen verkaufen. «Unsere Haflinger finden eigentlich immer einen guten Platz, meistens in der Schweiz», sagt sie.

Unkomplizierter Hengst
Sony JTF ist ebenfalls ein Sohn von Lavina und überzeugte die Züchterfamilie von Anfang an mit seinem aussergewöhnlich guten Charakter. Dies hat Jeanette Fitze dann dazu bewogen, auch die Hengsthaltung ins Auge zu fassen. Sony sei total unkompliziert in der Haltung neben ihren Stuten. «Er steht neben den Stuten in der Box und lässt sich willig neben ihnen einspannen», erzählt Jeanette Fitze. Sony absolvierte mit drei Jahren erfolgreich den Feldtest und wurde ein Jahr darauf auch für das Südtirol und Italien gekört. Aktuell ist Sony in der Vorbereitung zur Hengstleistungsprüfung, dem sogenannten 30-Tage-Test, der in wenigen Wochen in Stadl-Paura startet. Der Hengst hat bereits drei erfolgreiche Decksaisons auf verschiedenen Deckstationen hinter sich und für nächstes Frühjahr erwartet die Familie Fitze die ersten Fohlen von Sony JTF auf der Flawiler Egg.

