Gourmet Helg: vom Käser zum Spätzli-Produzenten

Michael Helg ist Betriebsinhaber und Geschäftsführer der Gourmet Helg in Romanshorn. Seit 2024 führt er den Familienbetrieb und produziert wöchentlich mehrere Tonnen Eier-, Dinkel- und saisonale Bärlauchspätzli. Was als Küchenexperiment seines Vaters begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt.

Mit einem Schöpflöffel gibt Michael Helg Teig in den grossen Spätzli-Hobel.
Mit einem Schöpflöffel gibt Michael Helg Teig in den grossen Spätzli-Hobel.

Der Duft von frischen Spätzli liegt in der Luft. Mit einem Schöpflöffel gibt Michael Helg den Teig in den grossen Spätzli-Hobel. An diesem Vormittag entstehen Eier- und Dinkelspätzli. Produziert wird wöchentlich von Dienstag bis Donnerstag, bei Bedarf zusätzlich am Freitag. «Insgesamt sind es rund drei bis vier Tonnen pro Woche. In der Hauptsaison im Herbst können es auch bis zu fünf Tonnen sein», sagt Betriebsinhaber und Geschäftsführer Michael Helg von Gourmet Helg.

Doch wer sind die Abnehmer dieser grossen Spätzli-Mengen? «Den Grossteil liefern wir schweizweit an Spar, an die Molkerei Fuchs, an verschiedene Metzgereien sowie an 13 Volg-Filialen. Zudem sind unsere Spätzli bei weiteren treuen Detailhändlern und in unserem Fabrikladen hier in Romanshorn erhältlich», erklärt der Spätzli-Produzent.

In den Fussstapfen des Vaters

Begonnen hat alles im Zentrum von Romanshorn, wo sein Vater Guido Helg einst ein Käsefachgeschäft führte. Später begann er zu Hause in der eigenen Küche, Spätzli zu produzieren und sie zu verkaufen. «Er wollte etwas Neues ausprobieren», erzählt Michael Helg. Was als Experiment in der Familienküche anfing, entwickelte sich schnell zu einem grossen Erfolg. Schon bald platzte die Küche aus allen Nähten. Vor 13 Jahren konnte Guido Helg, der den Käserberuf erlernt hatte, das Gebäude an der Neuhofstrasse erwerben. Dort werden seither Spätzli produziert. In den Wintermonaten wird zudem eine Fondue-Stube betrieben. Für die Herstellung der Spätzli wurden zwei Büros in eine Küche umgebaut.

Die Spätzli werden in der Verpackung mit Eiswasser gekühlt.
Die Spätzli werden in der Verpackung mit Eiswasser gekühlt.

Das Gebäude hat eine lange Geschichte. Vor etwa 100 Jahren war dort eine Stickerei untergebracht. Danach zogen die Togo-Werke mit Schuhcreme ein, später ein Werkzeugmacher. Anschliessend wurde es als Lager einer Aluveredlungsfirma genutzt, bis letztlich die Spätzli-Produktion begann. Michael Helg ist in die Fussstapfen seines Vaters getreten und hat ebenfalls Käser erlernt. Nach der Arbeit in der Käserei unterstützte er jeweils seinen Vater bei der Spätzli-Produktion. Mit der Küche ist er ohnehin vertraut; im Militär war er Küchenchef. «Ich koche gerne für viele Leute», bemerkt er und ergänzt, dass er die Fondue-Stube nur nebenbei betreibe. Er sei Spätzli-Produzent. Im Oktober 2024 übernahm er den Familienbetrieb Gourmet Helg und führt ihn nun in zweiter Generation weiter. Bei der Produktion wird Michael Helg von sechs Mitarbeitenden unterstützt. Auf die Frage, warum er sich als Spätzli-Produzent und nicht weiter als Käser betätigt, antwortet er: «Käse gibt es schon genug. In meinem Beruf als Spätzli-Produzent kommen weiterhin Milchprodukte zum Einsatz. Für die Herstellung brauche ich Milch und Quark.»

b)Michael Helg arbeitet an der Rüttelwaage zur Verpackung der heissen Spätzli.
Michael Helg arbeitet an der Rüttelwaage zur Verpackung der heissen Spätzli.

Bärlauch selbst gesammelt

Derzeit werden nebst den Eier- und Dinkelspätzli auch Bärlauchspätzli hergestellt, die saisonal im Frühjahr erhältlich sind. Er betont, dass er nur frischen Bärlauch verwende. «Den Bärlauch sammle ich selbst. Während der ganzen Saison sind es rund 80 Kilo», erklärt Michael Helg. Das Sammeln sei für ihn der perfekte Ausgleich zur Arbeit als Spätzli-Produzent. Er geniesse die Ruhe im Wald und könne dabei oft Vögel oder Rehe beobachten. Sein Arbeitstag beginnt um 4.30 Uhr. Die Spätzli werden jeweils bis zum Mittag produziert Am Abend folgen die Vorbereitungen für den nächsten Morgen. «Ich habe Käser gelernt. Als Käser beginnt man früh am Morgen und gönnt sich dafür ein Mittagsschläfchen», sagt er und schmunzelt.

Michael Helg, Betriebsinhaber und Geschäftsführer der Gourmet Helg in Romanshorn.
Michael Helg, Betriebsinhaber und Geschäftsführer der Gourmet Helg in Romanshorn.

Für die Gourmet-Helg-Spätzli werden nur regionale Zutaten verwendet. «Sie bestehen aus Weiss- oder Dinkelmehl, Vollmilch, Weizengriess, Vollei, Quark und Salz. Unsere Spätzli enthalten weder Wasser noch Konservierungsmittel. Trotz des Verzichts auf Konservierungsmittel sind sie zwei Wochen haltbar», betont der Betriebsinhaber. Worin unterscheiden sich eigentlich die Helg-Spätzli von den hausgemachten? «Es gibt keinen Unterschied. Unsere Spätzli schmecken wie hausgemacht. Man kann sie einfach ins heisse Wasser geben, kurz aufkochen; und schon sind sie wie frisch zubereitet.»

Nachfrage gestiegen

Früher seien Spätzli überwiegend noch selbst hergestellt worden. Heute lohne sich der Aufwand für viele kaum mehr, da es in der Küche meist schnell gehen muss. Am meisten Spätzli würden im Herbst benötigt, erklärt Michael Helg. «Dann ist Wildsaison, und die Spätzli passen als Beilage besonders gut. Einen starken Aufschwung habe der Spätzli-Konsum während der Coronapandemie erlebt. Damals sei die Nachfrage deutlich gestiegen und nehme seither weiter zu. In der Produktion habe sich über die Jahre kaum etwas verändert. Die Handarbeit sei geblieben, lediglich die Maschinen seien grösser geworden. Bei Gourmet Helg finden, wie in allen Lebensmittelbetrieben, regelmässige und strenge Lebensmittelkontrollen statt. Diese erfolgen meist ein- bis zweimal pro Jahr und in der Regel unangemeldet. Dabei werden nicht nur die Produktionsabläufe überprüft, sondern auch die Etiketten und deren Kennzeichnung kontrolliert.

Die abgepackten Spätzli werden von Hand etikettiert.
Die abgepackten Spätzli werden von Hand etikettiert.

Für die Zukunft wünscht sich Michael Helg, weiterhin wie bisher zu produzieren und, dass seine Spätzli auch künftig so beliebt bleiben wie heute. Ganz im Sinne des Mottos, das auch auf seinem Lieferwagen zu lesen ist: «Aus Freude am guten Essen».

Spannende Einblicke

In der Serie «Blick in die Fabrik» besucht der «St. Galler Bauer» in loser Folge Fabriken, die mit der Landwirtschaft und dem landwirtschaftlichen Umfeld zu tun haben, und zeigt, was hinter der Fassade geschieht.

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