Frühlingsputz – mit Plan, Strategie und Profitipps

Der grosse Frühlingsputz von einst hat ausgedient. Heute regieren kluge Planung und konsequentes Entrümpeln den Alltag. Wer Ballast abwirft, schafft Platz im Daheim und Klarheit im Kopf.

Waschen und Putzen war für die Hausfrau von einst Schwerstarbeit.
Waschen und Putzen war für die Hausfrau von einst Schwerstarbeit.

Durch die weit geöffneten Fenster fegt kühle Zugluft durchs Haus. In der Küche ist aufgestuhlt und in der Stube sind die schweren Eichenmöbel in die Raummitte gerückt. Nichts steht mehr an seinem Platz. Es riecht nach Kernseife und Lauge. Mühsam, Zentimeter um Zentimeter schrubbt die Hausfrau auf den Knien mit einer Bürste den rauen Holzboden. Draussen hängen Teppiche und Matratzen zum Lüften und Ausklopfen an der Klopfstange und improvisierten Ablagen. Die blütenweissen Vorhänge bewegen sich sanft in der Märzsonne. Ab und zu bricht ein dumpfer Schlag die Stille, wenn der Teppich die Stange trifft. Der Lenz liegt in der Luft. Staub und Schmutz müssen raus, es ist Zeit für den grossen Frühlingsputz.

Wechsel im Putzritual

Was für die vorbildliche Hausfrau von gestern noch Pflicht war, ist im modernen Alltag kaum noch die Regel. In einer Zeit, in der technische Hilfsmittel und ein unüberschaubares Sortiment an Reinigungsmitteln helfen, unser Heim sauber zu halten, braucht es kein Frühlingserwachen mehr für den grossen Kehraus. «Den klassischen Frühlingsputz gibt es längst nicht mehr», sagt Conny Scherrer. Sie ist Dozentin im Modullehrgang «Wäscherei- und Reinigungstechnik» für angehende Bäuerinnen am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. «Staubsaugen, abstauben, Bad und Küche reinigen gehört für die meisten zum wöchentlichen Kehr. Auch bei sporadischen Arbeiten wie Fenster reinigen, Vorhänge waschen, Teppiche reinigen, Matratzen absaugen oder Bettinhalte waschen muss es nicht zwingend Frühling oder Herbst sein. Wichtiger ist, man geht mit System, genügend Zeit und Motivation ans Werk», weiss die Fachfrau. Ein individueller Reinigungsplan schafft Klarheit, wann was fällig ist. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband hat zum Beispiel auf seiner Webseite einen möglichen Reinigungsplan aufgeschaltet.*

Sinnvoll sei es auch, grössere Reinigungsprojekte in überschaubare Häppchen aufzuteilen. Aber wenn man schon dabei ist, die Fenster zu reinigen, könne man gleich auch die Holzwand dazunehmen. «Wer zum Saisonwechsel das Duvet austauscht, kann es gleich waschen. Anschliessend im Tumbler über drei Durchgänge trocknen – ohne Tennisbälle, dafür den Vorgang regelmässig unterbrechen und die Decke kräftig aufschütteln.»

Entrümpeln schafft Platz

In einer konsumreichen Zeit wie heute ersetzt Entrümpeln den Frühlingsputz von einst. Wenn sich immer mehr Dinge ansammeln, die Schränke aus allen Nähten platzen, Schubladen überquellen und der Keller mit allerlei nützlichem und unnützlichem Kram zugestapelt ist, ist regelmässiges Aussortieren keine Kür mehr, sondern Pflicht. Wer sich konsequent von Unnötigem trennt, hat nicht nur mehr Platz, sondern auch einen klareren Kopf. «Entrümpeln bedeutet nicht, alles wegzuwerfen», betont Conny Scherrer. «Es bedeutet, bewusst zu entscheiden, was einen Platz im eigenen Leben verdient.» Die Fachfrau empfiehlt, alles auszusortieren, was seit zwei Jahren unbenutzt geblieben ist. Dafür brauche es keine bestimmte Jahreszeit, sondern Lust, Zeit und eine gute Planung.

Conny Scherrer ist Dozentin im Modullehrgang «Wäscherei- und Reinigungstechnik» für angehende Bäuerinnen in Salez. Bild: zVg.
Conny Scherrer ist Dozentin im Modullehrgang «Wäscherei- und Reinigungstechnik» für angehende Bäuerinnen in Salez. Bild: zVg.

Mit Plan und Termin

Conny Scherrer empfiehlt, fürs Entrümpeln einen festen Termin und genügend Zeit einzuplanen. Wem die Motivation fehlt, holt sich am besten Verstärkung durch eine Freundin oder jemanden aus der Familie. Zu zweit geht die Arbeit meist leichter und ist kurzweiliger. Gute Vorbereitung zahlt sich aus. Deshalb sollten Material wie Säcke, Kartonschachteln, Reinigungsmittel, Etiketten und Reinigungstücher im Voraus besorgt werden. Hilfreich ist es, die aussortierten Sachen gleich in vier Kategorien zu unterteilen: behalten, spenden, verkaufen oder entsorgen. Wer konzentriert arbeiten will, schaltet Störungsquellen wie Handy und Türklingel aus und sorgt im Voraus für die Betreuung der Kinder. Nach der Räumungsaktion zählt Konsequenz. Ausrangiertes wird entsorgt, Gespendetes ins Brockenhaus gebracht und Verkäufliches auf einer Plattform ausgeschrieben. Und zwar subito, damit es nicht still und heimlich zurück in den Schrank wandert. «Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder entscheidet selbst, was sie oder er braucht, um sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen», sagt Conny Scherrer. Wer Wert auf ein aufgeräumtes Daheim legt, lässt erst gar kein Chaos aufkommen. Ihr Rat: «Immer dranbleiben. Und konsequent: Wenn ein Teil neu einzieht, muss ein altes raus.»

Weniger Mittel, viel Wirkung

Auch im Putzschrank der Fachfrau herrscht Übersicht. Nach dem Motto «Weniger ist mehr» genügen meist Fensterreiniger, Sprit, Badreiniger und Schmierseife. Als Geheimtipp für streifenfreie Fenster empfiehlt Conny Scherrer Geschirrklarspüler. In der Küche sorgt ein Fettlöser für Sauberkeit und im Bad ein Badreiniger sowie die klassische WC-Ente. Sparsamkeit gilt ebenso beim Waschen. Buntwaschmittel sowie ein Mittel für Feines und Wolle reichen aus. Hartnäckige Flecken behandelt sie mit Gallseife. Ein weiterer Tipp: Das Waschei frischt Textilien auf, die nicht stark verschmutzt sind.

Auch wenn es den klassischen Frühlingsputz kaum noch gibt, spüren viele beim Erwachen der Natur neue Energie und den Wunsch nach Sauberkeit im eigenen Daheim. Wenn auch das nicht hilft: «Wer keine ungebetenen tierischen Mitbewohner möchte, tut gut daran, sich trotz fehlender Motivation aufzuraffen», rät Conny Scherrer. Das Fazit der Expertin: «Kleine Pausen und Belohnungen helfen als Antrieb. Am Ende zählt das gute Gefühl, wenn die Arbeit getan ist.»

*SBLV-Reinigungsplan und mehr Tipps zum grossen Frühlingsputz: unter dem Link hier

 

Tipps von der Expertin

Strategie und Planung:

  • Genügend Zeit einplanen
  • Grosse Projekte aufteilen
  • Im Team putzt sich kurzweiliger
  • Material im Voraus besorgen

Richtig entrümpeln:

  • Zwei Jahre Ungenutztes weg
  • Vier Kategorien: Behalten, Spenden, Verkaufen, Entsorgen
  • Eins-rein-eins-raus-Prinzip
  • Ausrangiertes sofort ins Brocki bringen oder entsorgen

Putzen und pflegen

  • Fensterreiniger, Badreiniger, Sprit und Schmierseife genügen meist
  • Geschirrklarspüler für Fenster
  • Duvets im Tumbler ohne Tennisbälle, dafür öfters aufschütteln.
  • Waschei frischt Textilien auf
  • Gallseife bei starken Flecken
  • Kombination: Beim Fensterputz Holzwand mit abwischen

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