Förster Alex Plaschy und sein Alltag im Forstbetrieb am Säntis
4200 Hektaren Wald betreut der Forstbetrieb am Säntis im Appenzellerland. Förster Alex Plaschy koordiniert Holzernte, Vermarktung und Personal und sorgt dafür, dass der Wald nachhaltig gepflegt wird. Sein Alltag führt ihn zwischen Waldarbeit, Besprechungen und Holzhandel.

Alex Plaschy ist seit 2009 in Urnäsch bei der Gemeinde als Förster angestellt. Im Jahr 2010 fand ein Zusammenschluss mit den Gemeinden Hundwil und Stein statt. 2018 kamen die Gemeinde Herisau und der Waldbauverein dazu. Nun nannte sich der Betrieb Forstbetrieb am Säntis und wurde im Jahr 2020 mit den Gemeinden Waldstatt, Schönengrund und Schwellbrunn erweitert. 4200 Hektaren Wald umfasst der Betrieb jetzt; 80 Prozent davon sind Privatwaldgrundstücke, der Rest ist im Besitz der Öffentlichkeit. Die jährliche Holzernte in diesem Gebiet beträgt zwischen 25 000 und 35 000 Kubikmeter. Wenn Holz einen guten Marktpreis verspricht, rufen Waldbesitzer vermehrt den Förster an und bitten ihn um Anzeichnung eines Holzschlags in ihrem Wald. «Die Anzeichnung wird jedoch nur bei schneefreiem Boden durchgeführt. Wir Förster wollen die Verjüngungsansätze sehen», erklärt Alex Plaschy.
Ein gesteigertes Angebot im Holzmarkt zieht meistens einen Preisabfall nach sich. Diese Marktschwankungen müssen öffentlich unterstützte Forstbetriebe bezüglich ihres Jahresabschlusses mit Drittarbeiten auffangen. Ein guter Holzhandel und das Realisieren anderer Einkommensquellen aus dem Bereich Forstwirtschaft sind dann wichtig. «Nur so lässt sich ein Betrieb erhalten und wird, in meinem Fall von der Gemeinde Urnäsch, in seiner Effizienz durchdacht unterstützt», sagt der Förster. Primäre Wichtigkeit hat beim Forstbetrieb am Säntis die Aus- und Weiterbildung in der Forstbranche. «Ob Forstwart, Vorarbeiter oder Förster, wir bieten Interessierten gerne verschiedene Möglichkeiten an.»
Ins Berggebiet verschlagen
Alex Plaschy ist im Kanton Aargau aufgewachsen. Als Bub half er oft auf einem benachbarten Bauernbetrieb mit und wollte Landwirt lernen. Diese Vision blieb ihm umständehalber verwehrt und der naturbegeisterte Bub lernte Forstwart. Damit hatte er den richtigen Beruf gefunden. Bald besuchte er die Försterschule. Da in dieser Berufsgattung kaum offene Stellen zu finden waren, machte er sich selbstständig. Holzmöbel herstellen, Gartenholzereien und sich da und dort als Forstwart ausmieten lassen waren seine Tätigkeiten. Als 2005 in Schweden 90 Millionen Kubikmeter Holz einem Sturm zum Opfer fielen, fuhr er mit zwei Forstkameraden, einem Vollernter und einem Forwarder zur Erntehilfe nach Skandinavien. 2007 gab es Sturmschäden im deutschen Sauerland. Alex Plaschy verbrachte daraufhin zwei Jahre dort, vermisste jedoch den Waldbau immer mehr. 2009 erreichte ihn ein Telefon von Christian Schaerer aus Urnäsch. Der Kamerad aus der Försterschule wollte andernorts Förster sein und lud Alex Plaschy als eventuellen Nachfolger nach Urnäsch ein. «Meine Gedanken, sesshaft zu werden, unterstützten mich, in das mir unbekannte Urnäsch zu fahren», so Alex Plaschy. Der Aargauer nahm die Stelle an. In den Anfängen hatte er Heimweh nach der Weite. So fuhr er ab und zu in die Höhe, um wenigstens in die Weite zu blicken. Doch die Arbeit im Appenzeller Hinterland gefiel ihm je länger, je besser. Er knüpfte Kontakte zu den Einheimischen. «Znüni essen im Restaurant war ein Beispiel dafür», erinnert sich Alex Plaschy schmunzelnd zurück.

Effizienz dank Zusammenschluss
Drei Förster arbeiten im Forstbetrieb am Säntis zusammen. Jeder hat seine Hoheitsaufgaben in einem anderen Gebiet und Alex Plaschy amtet als Betriebsleiter. Simon Sutter bestimmt zusammen mit dem eigenen Personal, wo und was heute gearbeitet werden soll, und ist zudem für die hoheitlichen Aufgaben in Schwellbrunn, Schönengrund und Waldstatt tätig. Stefan Holenstein ist zuständig für die Administration im gesamten Betrieb sowie die hoheitlichen Aufgaben in Herisau, Hundwil und Stein. Die Personalführung und die Holzvermarktung sind Alex Plaschys Aufgaben. Ein Forstwart-Vorarbeiter, vier Forstwarte und vier Lehrlinge verrichten Holzernten, Transporte und mehr. Der Maschinenpark umfasst zwei Forwarder, einen Knickschlepper, ein Zugfahrzeug mit Raupen, einen Traktor mit Kran und Anhänger sowie einen Neun-Tonnen-Bagger. «Bei unseren Holzernten versuchen wir, die bestmögliche Erntevariante einzusetzen. So kommen regionale Seilbahnunternehmen, Vollernter oder Helikoptertransporte ebenfalls zum Einsatz», erklärt Alex Plaschy die Strategie.
Volles Tagesprogramm
Morgens um 6.30 Uhr steht Alex Plaschy im Herisauer Waldgrundstück Ramsenburg bereit. Hier hat der Forstbetrieb am Säntis einen umfassenden Holzschlag für die Gemeinde Herisau in Arbeit. Als Holzverkäufer pflegt er einen engen Kontakt zu den Käufern und den Transporteuren. Noch ist es dunkel, doch der Chauffeur ist mit seinem Wagen schon vor Ort. Alex Plaschy wählt die Stämme aus, misst sie und bespricht mit dem Chauffeur den nächsten Abholtermin. Bei manchen anderen Käufern geschieht das Vermessen und Klassieren automatisch in deren Sägerei. Um 9 Uhr steht eine Besprechung in Herisau an. Ein Grundstückbesitzer will dort die allein stehende, grosse Fichte fällen und braucht eine Fachberatung. Als Nächstes ist wieder ein Verladetermin mit einem Chauffeur notiert. Nicht selten klingelt das Telefon des Betriebsleiters. «Das sind entweder Mitarbeiter, Käufer oder Chauffeure. Ein Telefonat erleichtert manche Entscheidung und ist nicht wegzudenken.»
Nach dem Mittag gibt Alex Plaschy im Büro einem Besucher Auskunft. Um 14.30 Uhr steht wieder Verladen im Herisauer Wald auf dem Programm. Der Lastwagenchauffeur orientiert den Förster via Telefon über ein technisches Problem an seinem Gefährt. Die Anfahrt verzögere sich. So wird das Verladen von Schnitzelholz vorgezogen. Stefan Länzlinger, Forstwart-Vorarbeiter im Forstbetrieb am Säntis, lädt die von Alex Plaschy bestimmten Buchenstämme auf den Traktoranhänger und bringt diese zur Holschnitzelheizung in Urnäsch. Dabei kreuzt er den erwarteten Lastwagenzug, dessen technisches Problem inzwischen gelöst wurde. Fichtenstämme der Klasse B/C werden während der Verladung gemessen. Mit sichtbarer Routine geht es zügig vorwärts und bald verabschiedet man sich mit der Abmachung für den nächsten Holztransport.
Die Praxis kennen
Dann begibt sich Alex Plaschy zur Holzergruppe und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge: «Wichtig ist dabei meine eigene Erfahrung als Forstwart. So können der Förster und die Forstwarte auf Augenhöhe miteinander diskutieren.» Gegenseitige Toleranz sei auch zwischen den drei Förstern vom Forstbetrieb am Säntis unerlässlich. Jeder habe in seinem Bereich die Entscheidungsfreiheit, man kommuniziere aber gern und oft zusammen über die bevorstehenden Tätigkeiten. Der Feierabend rückt näher. Alex Plaschy begibt sich in sein Büro in Urnäsch und erledigt dort das Anstehende. Ein weiterer betriebsamer Tag neigt sich dem Ende zu. Zufrieden schliesst Alex Plaschy die Türe und geht nach Hause. Schnell umziehen und als Abwechslung den Fussballmatch in St. Gallen noch vor Ort verfolgen.

