Flyer gestalten: So gewinnen Hofläden neue Kunden

Für landwirtschaftliche Betriebe mit Hofläden ist der Flyer eine kostengünstige und wirksame Möglichkeit, Kunden zu informieren und Interesse zu wecken. Entgegen vieler Bedenken wird er auch von der Internetgeneration beachtet – vorausgesetzt, er macht einen professionellen Eindruck.

Print bleibt wichtig

Ist Gedrucktes noch «in»? Ja, Leserinnen und Leser beschäftigen sich weiterhin mit Print. Heute gelten beide Kanäle – Online und Print – als gleichwertig. Gedrucktes wird anders aufgenommen: Wer einen Flyer zur Hand nimmt, liest entspannter als am Bildschirm und spart Zeit, weil er nicht online suchen muss. Besonders bei Menschen über 50 geniessen gedruckte Informationen höhere Glaubwürdigkeit als Inhalte aus dem Netz.

Stehend ist besser als liegend

Flyer kommen mit knappen, schlagwortartigen Informationen dem Bedürfnis von Schnelllesern entgegen. Vier Seiten im Leporello-Falz haben sich bewährt. Am besten liegt der Flyer im Hofladen in einem Ständer bereit. Kundinnen und Kunden greifen eher zu, wenn er aufrecht präsentiert wird und nicht lose auf einem Stapel liegt. Zehn Exemplare wirken anziehender als hundert – psychologisch weckt vermeintliche Knappheit das Interesse.

Gut gemachte Flyer sind auch in der Internetzeit ein nützliches Werbemittel. Bild: mit KI erstellt

Texte aus Kundensicht

Viele Flyer sind zu stark aus Anbietersicht geschrieben. Statt «Wir sind, wir können, wir leisten» wirken Formulierungen mit «Sie», «Ihnen» oder «Ihre» überzeugender:

  • «Das Label garantiert Ihnen artgerechte Haltung.»
  • «Kurzer Transportweg bedeutet für Sie längere Haltbarkeit.»
  • «Pflückfrisch schmeckt Ihnen besser.»

Floskeln wie «Wir beraten Sie gerne» oder «Wir freuen uns auf Ihren Besuch» sind überflüssig. Für Aufmerksamkeit sorgen eine markante, aber schlichte Schriftart, ungewöhnliche Textanordnung oder dezente Hervorhebungen. Ideal sind maximal zwei Schriftarten und zwei Schriftgrössen. Zu viele Variationen schaffen optische Unruhe.

Modernes Schriftbild

Unterstreichungen und Versalien wirken altmodisch. Besser sind sparsam eingesetzte Hervorhebungen in fett oder kursiv. Flyer konzentrieren sich auf die aktuelle Kernbotschaft. Bei den Kontaktdaten zählt die Homepage, damit sich Interessierte vertieft informieren können.

QR-Code statt Fax

Die letzte Seite bietet Platz für Kontaktdaten. Faxnummern sind heute nicht mehr nötig, dafür sind Mailadresse, Homepage und QR-Code zeitgemäss. Der Fliesstext auf der Innenseite erklärt kurz, worum es geht, welche Vorteile der Betrieb bietet und was die Kundschaft erwartet. Aufzählungen sollten maximal fünf Punkte enthalten. Professionelle Fotos erhöhen die Wirkung – zwei grosse Bilder sind besser als vier kleine. Kurze Sätze prägen sich leichter ein.

Blocksatz sorgt für ein ruhiges, gut lesbares Layout. Symmetrische oder schräg gesetzte Texte können je nach Zielgruppe Akzente setzen. Logo und Hausfarbe sind Pflicht für den Wiedererkennungswert. Inspiration liefern auch Flyer anderer Branchen.

Themen klar wählen

Ein Flyer wirkt am stärksten, wenn er sich auf ein Thema konzentriert.

  • Image-Flyer: erzählt vom Betrieb, der Familie, den Grundsätzen und Kernkompetenzen.
  • Angebots-Flyer: informiert über Saisonangebote oder Handelsware wie Wein.

Die Überschrift entscheidet, ob jemand weiterliest. Beispiele:

  • «Tierschutz der Premiumklasse»
  • «Kurze Transportwege – der richtige Weg»
  • «Regional ist ideal – bewusst einkaufen»

Wichtige Vorteile wie artgerechte Tierhaltung oder regionale Nähe gehören an den Anfang. Hat der Metzger einen eigenen Flyer, lohnt sich eine Nennung des Landwirts als Lieferant. Konsumenten wollen wissen, woher die Tiere stammen.

Verteilung und Wirkung

Als Postwurfsendung erreicht der Flyer auch Haushalte, die den Betrieb noch nicht kennen. Dennoch sollte es «verteilerfreie Zeiten» geben, um Überdruss zu vermeiden. Gewinnspiele können die Attraktivität steigern, etwa indem Kunden einen bekannten Satz ergänzen oder eine Gewinnnummer finden.

Der 5-Sekunden-Test

Bleibt der Flyer nach fünf Sekunden liegen, war er langweilig. Wird er eingesteckt, hat er sein Ziel erreicht.

Tipps für die Gestaltung

  1. Maximal drei verschiedene Schriftgrössen verwenden
  2. Keine Unterstreichungen,
  3. Einzelne Wörter nur fett oder kursiv hervorheben
  4. Grafische Spielereien vermeiden
  5. Schlagworte einsetzen für bessere Leserlichkeit
  6. Grosszügigen Zeilenabstand wählen
  7. Wenige, dafür grosse Bilder nutzen
  8. Helles Papier mit dunkler Schrift wählen
  9. Texte dürfen auch schräg gesetzt sein
  10. Handliches Format für einfache Mitnahme
  11. Grossbuchstaben (Versalien) nur sparsam verwenden
  12. Den Flyer nicht mit Text überladen

*Der Autor ist diplomierter Betriebswirt, der Artikel erschien 2021 in einer Printausgabe und wurde nun überarbeitet.

Wie ein stimmiger Slogan und ein klares Logo den Wiedererkennungswert eines Betriebs stärken, zeigt der Beitrag Slogan und Logo.

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