So funktioniert der Online-Pflanzenshop von Feey
Feey hat den Verkauf von Zimmerpflanzen und auch anderen Pflanzen und Blumensträussen neu gedacht. Seit sieben Jahren erfüllt Feey fast alle Wünsche der Pflanzenliebhaber, die online bestellen. Der Pflanzendoktor und eine pfiffige Webseite helfen, wenn die Pflanze schwächelt.

«Willkommen im Dschungel», begrüsst Geschäftsleitungsmitglied Jil Claire Schulz in Uzwil. Dort, wo vorher das Orange der Migros vorherrschte, ist es grün geworden. Leidenschaftlich grün. Tausende von Zimmerpflanzen stehen in einfachen Gestellen, erhellt durch spezielle Lampen, die das Sonnenlicht imitieren. An verschiedenen Arbeitstischen arbeiten Frauen und Männer. Eine originelle Nische mit nostalgisch anmutenden roten Sofas fällt auf, eine Pingpongplatte steht in der ehemaligen Blumenabteilung der Migros, mehrere Tische aneinandergereiht, darum herum Stühle in verschiedenen Stilen. Hier isst die Feey-Familie zusammen zu Mittag. Im ehemaligen Restaurant ist das Büro. Frauen mit Kopfhörern nehmen die Anrufe von Kunden entgegen. Die Fachfrauen beraten oder geben Tipps, wenn sich die gekaufte Pflanze anders entwickelt als vorgestellt.

Gesunde Pflanzen
«Zimmerpflanzen sind cool, aber sie sterben nach kurzer Zeit.» Diese Erkenntnis stand am Anfang einer Idee, die schliesslich zur Gründung von Feey führte. Vier Menschen mit verschiedenen Hintergründen und Fachwissen starteten in die Selbstständigkeit mit einem Konzept, das so noch fehlte. Sie wollten gesunde Pflanzen in gesunder Erde verkaufen, verbunden mit einer Rundumberatung und Begleitung, damit Pflanzen, die aufwendig aufgezogen und gepflegt werden, lange Freude bereiten. Die beiden Brüder Sven und Janko Jakelj, Severin Candrian und Jil Claire Schulz bilden die Geschäftsleitung. Alle arbeiten auch praktisch mit, bringen ihr je eigenes Fachwissen ein, lernen voneinander und geben ihr Wissen den 35 Angestellten weiter. So, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Webseite in Bewegung sind, ist die ganze Firma in Bewegung und entwickelt sich weiter. Neue Ideen und Pläne gibt es laufend. An erster Stelle stehen die Kundinnen und Kunden, die für ihr Zuhause die ideale Zimmerpflanze wollen. Inzwischen gibt es auch Pflanzen für den Aussenbereich: Balkon- und Gartenpflanzen, Beerensträucher, Kräuter- oder Blühpflanzen. «Der Mensch hat das Bedürfnis, sich mit Grün, mit etwas Lebendigem zu umgeben», ist Jil Claire Schulz überzeugt.
Pfiffige Webseite
Bei Feey ist es leicht, die ideale Pflanze zu finden. «Einzelpersonen und Firmen, die interessiert sind an pflegeleichten Pflanzen, bestellen bei uns. Die Hauptgruppe ist zwischen 35 und 45 Jahren alt, digital unterwegs und gewohnt, online zu bestellen», ist die Erfahrung von Feey. Einfach ist es, weil 177 Zimmerpflanzen, 41 Aussenpflanzen und 26 verschiedene Blumensträusse detailliert beschrieben sind. «Das ist es, was uns ausmacht. Wir liefern die Informationen zur Pflanze und zur Pflege und begleiten persönlich, wenn etwas schiefgeht», betont die Kommunikationsleiterin. Auf dem Rundgang durch den «Dschungel» erwähnt sie mehrmals die Monstera, «die Königin der tropischen Vibes. Sie ist perfekt für freche, lebensfreudige Persönlichkeiten, die gerne an warme Inseln denken. Je älter die Monstera wird, desto mehr Löcher bekommen ihre grossen Blätter», wie sie auf der Webseite beschrieben wird. Es wird auch informiert, dass sie alternative Namen hat: Monstera deliciosa, Fensterblatt, Swiss Cheese Plant und Plante Gruyère. Sie mag einen hellen Standort, möchte jedoch lieber nicht in der prallen Mittagssonne brutzeln. Es gibt Tipps fürs Giessen und Düngen und für die Pflege. Vorschläge für passende Übertöpfe runden das Angebot für jede einzelne Pflanze ab.

Eigenzucht und Import
Feey importiert Zimmerpflanzen hauptsächlich aus den Niederlanden. Auch Stecklinge kommen aus dem Ausland. In St. Gallen hat Feey eine Pflanzenfarm, wo hochwertige, nachhaltige Pflanzen in einem mineralischen Substrat produziert werden; dank modernen Produktionstechnologien ganzjährig. «Die lokale Produktion führt zu kurzen Transportwegen, was die Umwelt schont», macht Jil Claire Schulz bewusst. Zudem verbrauche das Kreislaufsystem 90 Prozent weniger Wasser und der eingesetzte Dünger werde dadurch vollständig von den Pflanzen aufgenommen. Und ausserdem: «Durch Laborbedingungen schaffen wir es, komplett ohne Pestizide zu arbeiten. Wir setzen Nützlinge wie Raubmilben und Florfliegen ein, um die Pflanzen vor Schädlingen zu schützen.» Die Hydropflanzen werden ohne Erde produziert. «Das verhindert Trauermücken, ist gut für Allergiker und macht die Pflege kinderleicht», wirbt Schulz.
Qualitätsmerkmal Wurzeln
In der ehemaligen Migros hat Feey verschiedene Abteilungen eingerichtet, die sich zwischen den gelagerten Zimmerpflanzen befinden. Sie bestehen grundsätzlich aus einem grossen Tisch. Das vierköpfige Pflanzenteam, mehrheitlich ausgebildete Zierpflanzengärtnerinnen, macht die Qualitätskontrolle bei den angelieferten Pflanzen. Das Augenmerk liegt auf den Wurzeln. Starke Wurzeln sind das entscheidende Kriterium, ob eine Pflanze gedeiht. Die Pflanzen werden umgetopft und bekommen ein Substrat, das Feey selbst entwickelt hat. Es ist durchlässig für Wasser und Luft und fördert das Wachstum der Wurzeln. An dieser Stelle verrät Jil Claire Schulz, dass der grösste Fehler bei der Pflege von Zimmerpflanzen ein Zuviel an Wasser ist. «Darum legen wir viel Wert auf Pflegetipps, die wir jeder Pflanze beilegen. Wir wollen, dass die Pflanzen lange leben.» Denn, so steht es auf der Webseite: «Wir wollen dir keine Pflanze verkaufen, sondern dir ein Familienmitglied vermitteln.»
Blumen per Post
Zimmerpflanzen per Post senden, kann das funktionieren? Bei Feey schon, wie vor Ort demonstriert wird. Das junge Unternehmen unternimmt alles, um effizient, zweckmässig, cool, informativ und besonders zu sein. Es entwickelt fast alles im eigenen Betrieb; auch die ansprechende, informative Webseite. Die Versandschachteln, die die Pflanzen an Ort und Stelle halten, auch wenn sie unterwegs einmal auf dem Kopf stehen sollten, sind raffiniert. Auf den Kartonschachteln stehen persönliche Botschaften des Teams. Diese hier stammt von Jil Claire Schulz: «Ich finde Freundschaft das Allerschönste. Die spüre ich jeden Tag, wenn ich das Feey-Lager betrete. (…) Wir hoffen, dass deine Pflanze dein Leben und deine Wohnung ein kleines bisschen schöner macht – genauso, wie wahre Freundinnen und Freunde das tun.» Weiter hinten binden drei Frauen Blumensträusse, die ebenfalls in einer ausgeklügelten, rosaroten Schachtel mit rosarotem Band versandt werden. «Eine Kundin rief mal an und reklamierte, dass wir ihr künstliche Blumen geschickt hätten, weil sie auch nach zwei Wochen noch nicht welk waren», erzählt die Kommunikationsleiterin lachend. Eine andere habe einen Stiel aufgeschnitten, um zu schauen, ob die Blumen echt seien. «So lange bleiben unsere Blumen normalerweise frisch.» Rund 300 Sendungen pro Tag verlassen im Schnitt das Lager.
Forschung und Entwicklung
Dort, wo einstmals die Metzger das Fleisch für den Verkauf vorbereiteten, ist jetzt der Stecklingsraum. Das Klima ist kontrolliert, die Luftfeuchtigkeit hoch. Das Unternehmen forscht zusätzlich im Bereich Licht- und Wasseraufnahme, Wurzelentwicklung und Nährstoffbedarf. «Wir wollen die Produktion auf Hightech-Level bringen», erklärt Jil Claire. Weitergehen und Neues anpacken scheint die Devise von Feey zu sein. Ein Laden an der Bahnhofstrasse in Uzwil, gleich um die Ecke zum Lager, ist in einer Testphase. «Wenn er funktioniert, könnten wir uns einen Laden in Zürich vorstellen.» Weiterziehen musste das Unternehmen schon mehrmals. Es mietete sich jeweils dort ein, wo eine Fläche frei oder ein Projekt noch nicht ausgereift war. Mal aus Platzgründen, mal weil das Gebäude abgerissen wurde, wie etwa die Flawa in Flawil. In Uzwil wird das Gleiche passieren. Eine Vision für Neubauten anstelle der ehemaligen Migros besteht bereits. «Bis Ende 2027 läuft unser Vertrag und dann sehen wir weiter», stellt Jil Claire Schulz nüchtern fest. Bis dahin werden noch viele Glücksfedern, Grosse Strelitzien, Monsteras oder Leuchterpflanzen das Lager verlassen und irgendwo ein Familienmitglied werden.

Spannende Einblicke
In der Serie «Blick in die Fabrik» besucht der «St. Galler Bauer» in loser Folge Unternehmen, die mit landwirtschaftlichen Produkten zu tun haben, und zeigt, was hinter der Fassade mit diesen Produkten geschieht.


