Handmäh-Europameister Reto Fuchs mäht mit Herz und Familie

Im «Fleckes» in Gonten geht es über die Sommermonate oft sportlich zu und her. Dann ist auf dem Hof der Familie Fuchs-Rechsteiner Handmähen angesagt. Im August 2025 holte sich Fuchs an der Europameisterschaft in Bayern den Titel des Handmäh-Europameisters.

Eveline, Reto, Remo, die Zwillinge Ralph und Rouven und Luana Fuchs (v.l.).
Eveline, Reto, Remo, die Zwillinge Ralph und Rouven und Luana Fuchs (v.l.).

Rund 40 Milchkühe leben im 2006 erbauten Laufstall von Eveline und Reto Fuchs. Bunt ist die Herde mit Holstein-, Red-Holstein- und Brown-Swiss-Kühen. Meistens sind die Tiere im Stall und geniessen das Futter aus dem Mischwagen. Die Silomilch wird vom Einkäufer Arnold abgeholt. «Für mich ist das Halten eines Maststiers unerlässlich. Nur etwa zehn Kühe werden mit gesextem Samen zur Aufzucht besamt.» Das Jungvieh und die Galtkühe sind in drei Abteilen im zum Laufstall umfunktionierten alten Stallgebäude untergebracht. Die dort lebenden Mastkälber bleiben bis zur Schlachtung auf dem Hof. Im ehemaligen Heuraum des alten Stalls leben noch rund 3000 Truten. Sechs Wochen bleiben sie dort, bevor sie zwecks Endmästung zu anderen Trutenhaltern gebracht werden. «Einige Tiere mästen wir selbst und verkaufen so fast jede Woche Trutenfleisch an Gastrobetriebe und private Kunden.» Reto Fuchs‘ Vater wuchs in Weissbad auf, konnte aber schon in jungen Jahren in Gonten mit «Puure» beginnen. Genauso übergab er den Betrieb ebenfalls zeitig an Sohn Reto. Leicht abschüssig und nordwärts gerichtet ist das Land im «Fleckes». «Wir haben es gut hier. Das Land ist einfach zu bewirtschaften und auch das ‚Hemetli‘ in Weissbad ist bezüglich Arbeitsaufwand überschaubar», sagt Reto Fuchs.

Familiensport Mähen

Die Bauerntochter Eveline Fuchs stammt aus Schlatt und hat nach der Schule Detailhandelsverkäuferin gelernt. Sie führt die Betriebsbuchhaltung, betreut die Trutenmast und organisiert auch deren Verkauf. Remo, Luana, Ralph und Rouven heissen die vier Kinder von Eveline und Reto Fuchs. Sie sind bei verschiedenen Hofarbeiten schon eine gute Unterstützung und eifern ihrem Vater beim Handmähen nach. Dieser holte sich im August nämlich den Europameistertitel im Handmähen. Mit den ihrer Grösse angepassten Sensen in der Hand wird das Gras in erstaunlich hohem Tempo und mit gutem Schnitt Mahd um Mahd gemäht. Ist die Schärfe der Sense nicht zufriedenstellend, wird sie vom Vater gewetzt. Remo, der Älteste, macht dies schon selbst. Dass er diesen Sport ebenfalls gut beherrscht, hat auch er an den vergangenen Europameisterschaften im bayrischen Thundorf mit dem dritten Rang in seiner Kategorie bewiesen.

Das Handmähen ist bei der Familie Fuchs eine besondere Leidenschaft.
Das Handmähen ist bei der Familie Fuchs eine besondere Leidenschaft.

Die alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Wettkämpfe sind für die Familie Fuchs jeweils ein längerer Ferienausflug. Wenn möglich, nimmt man sich dafür vier Tage Zeit und geniesst Wettkampfatmosphäre, Gemütlichkeit und das Kennenlernen einer unbekannten Region. «Alle freuen sich drauf und meine Leidenschaft und Aufgabe ist es unter anderem, mit der Kamera diese Tage bildlich festzuhalten», erzählt Eveline Fuchs.

Trainieren im «Fleckes»

Reto Fuchs war als 14-Jähriger bei einem Kollegen als Aushilfsmelker im Einsatz. Damals kam er erstmals mit dem Handmähsport in Berührung. Er war sofort begeistert und begann, mit den anderen Innerrhodern zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. «Damals war es noch ein Konkurrenzverhältnis zu den Ausserrhodern. Heute ist dies eine Freundschaft und man gibt sich gegenseitig Ratschläge», sagt Reto Fuchs.

Der «Schübi», so lautet sein Übername, ist Vorstandsmitglied im Handmähverein Ostschweiz. Noch mehr Gewicht aber hat seine Bereitschaft, den Handmähern aus der Umgebung Übungsgelände zur Verfügung zu stellen. Zu jeder Zeit, ob Reto Fuchs anwesend ist oder nicht, kann im «Fleckes» Gras gemäht werden. Dieses wird dann dürr oder als Eingrasung zum Stall geholt. «Am wichtigsten ist aber ein möglichst gemeinsames Training. Man hilft einander, berät sich über Probleme oder organisiert das Reisen an die nächsten Meisterschaften.»

Vater und Sohn Fuchs beim Wetzen der Sensen.
Vater und Sohn Fuchs beim Wetzen der Sensen.

Ein gedeckter Wagen mit Vordach steht hinter dem Wohnhaus der Familie Fuchs. Dort ist die eigentliche Schärfzentrale der Handmäher. Drei Druckapparate, verschiedene Werkzeuge, zahlreiche Sensen, Wetzsteine und mehr bieten den Trainierenden optimale Bedingungen für ihr Wettkampfgerät. Reto Fuchs hat schon einige Erfolge gefeiert. «Das ist auch nötig, um glaubhaft Ratschläge zu erteilen. Jeder Handmäher hat seine eigene Technik und diese soll optimal genutzt werden. Da hilft eine langjährige Erfahrung durchaus.» Das Wichtigste sei aber doch die Schnittfähigkeit der Sense. Dabei sei das zu mähende Gras genau zu besichtigen. Je nachdem, ob es dicht, trocken, alt oder mit Maushaufen durchsetzt ist, muss man sich anpassen. Auch die Tagesform der Wettkämpfer könne Einfluss auf die Rangierung haben.

Eine Portion Ehrgeiz

Reto Fuchs lernte nach der Schule in Appenzell in der Firma Bühler AG in Appenzell Maschinen- und Apparatebauer. Dieser Beruf gefällt ihm noch immer und so ist er dort noch heute in einem kleineren Pensum angestellt. «Viele Lehrlinge habe ich mit gutem Erfolg betreut. Der Beruf ist interessant und die Jungen vom Land sind das Arbeiten gewohnt, was von der Firma geschätzt wird», sagt Fuchs.

Im Frühling drängen die Kinder der Familie Fuchs jeweils wieder auf das Handmähen. «Das motiviert und so nehme ich auch immer wieder Anlauf für die kommende Saison», erzählt der in Zweitausbildung gelernte Landwirt. Er und seine Frau Eveline sind volkstümlich eingestellt. Sie spielte jahrelang Klavier, man war Mitglied der Tanzgruppe Appenzell und ihr Nachwuchs lernt fleissig Hackbrett, Handorgel und Klavier. «Es ist dort wie beim Handmähen: Es braucht eine Portion Ehrgeiz. Aber es macht immer wieder Freude, wenn man sieht, wie die jungen Leute musizieren oder mit der Sense mähen.»

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