Kein Bauernhof ist vor Einbruch und Diebstahl sicher
Hofläden geraten immer wieder ins Visier von Dieben, auch Tiere verschwinden aus Feld und Stall. Wo eine ständige Präsenz nicht möglich ist, gewinnen stabile Schliesssysteme und moderne Alarmanlagen zunehmend an Bedeutung.

Halb acht Uhr ist es und Beni Scherrer hat Feierabend. Der Hufschmied und Landwirt aus Dietfurt parkiert sein Arbeitsfahrzeug in der Garage. Den Autoschlüssel im Hosensack versorgt, verriegelt er das Tor und macht sich zufrieden auf den Weg zum 50 Meter entfernten Wohnhaus, wo das Nachtessen wartet. Die montierten Bewegungsmelder tun ihren Dienst. Der grosse Hofplatz ist ausreichend beleuchtet. Alles ist ruhig. Der ältere Hofhund schläft schon in der Futtertenne beim dunklen Kuhstall, den Beni Scherrers Vater betreut hat.
Zwischen dem Stall und dem angrenzenden Werkzeugschuppen hindurch führt der Weg zum Wohnhaus. Hier ist kein Bewegungsmelder im Einsatz. Was ist denn das? Ein schwacher Lichtschimmer leuchtet unter einer der Türen des Schuppens hervor. «Den Gedanken, dass mein Vater da drin jetzt noch etwas holt, verwarf ich bald. Innert Sekunden wurde mir klar, dass etwas nicht stimmt, und mein Herz begann schneller zu schlagen», erinnert sich Beni Scherrer. In diesem Moment geht die Türe auf und ein dunkel gekleideter Mann tritt heraus. «Was machst du hier?!», ruft Beni entrüstet. «Nichts», tönt es hastig hervorgestossen und blitzartig macht sich der Angesprochene aus dem Staub. Dies lässt sich der Toggenburger Landwirt nicht bieten und rennt dem Unbekannten hinterher. Kurz bevor der Flüchtige erwischt wird, rettet ihn der dunkle Wald.
Vorsicht bei Begegnungen
«Es ist gut, dass Sie den Flüchtigen nicht gefasst haben.» Die alarmierte Polizei orientiert Beni Scherrer über die Gefährlichkeit eines möglichen Zweikampfs mit einem Einbrecher. Man wisse nicht, ob dieser bewaffnet sei und im Notfall keine andere Lösung mehr sehe, als sich auf diese Art zu wehren. «Wenn ein Einbrecher ertappt wird, soll sofort die Nummer 117 angerufen werden. Merken Sie sich das Signalement und die Fluchtrichtung des Täters», rät die Kantonspolizei St. Gallen. Der Einbrecher in Dietfurt konnte wenige Stunden später von den Beamten verhaftet werden. Er war beim Werkzeugschuppen an eine verschlossene Türe gestossen, vermutete darin wertvolles Gut wie zum Beispiel Motorsägen und hatte daher im unverschlossenen Raum nebenan nach einem Türöffnungswerkzeug gesucht. Beni Scherrer hat nun einen zusätzlichen Bewegungsmelder montiert und will einen zweiten, jüngeren Hund halten. Der Schock sitzt tief und der Einbruch gibt dem jungen Mann zu denken.
Schutz vor Hofladen-Diebstahl
Bruno Forrer aus Wildhaus hat über zehn Jahre lang einen Hofladen betrieben. In den vergangenen zwei Jahren stieg die Zahl der Diebstähle stark an, was die Familie Forrer zur Aufgabe ihres Verkaufsportals bewog. Laut Statistik der Kantonspolizei St. Gallen hätten sich die Diebstahldelikte bezüglich Hofläden im letzten Jahr verdoppelt. Hinzu komme, dass lange nicht bei allen Vergehen Anzeige erstattet werde. In einer nützlichen Broschüre, herausgegeben von der Polizei, sind verschiedene Ratschläge zur Eindämmung von Diebstählen zusammengefasst. Die Umsatzhöhe und der Standort eines Hofladens seien bei technischen Massnahmen für die Sicherheit in Betracht zu ziehen. Wenn auch nicht ganz billig, so bildeten doch Automaten eine Alternative für den sicheren Warenverkauf. Beim grossen Mühltobler-Hofladen in Teufen ist dies nicht der Fall. Das Angebot der Familie Tanner ist sehr breit gefächert und bietet auch Waren in «Kistli» an. «Das Thema Diebstahl war bei der Eröffnung des Hofladens präsent und wir haben Kameras installiert. Das hat sich gelohnt. So können die Aufnahmen gespeichert und die Daten der Polizei übergeben werden.» Explizit versichert haben Tanners ihr Angebot im Hofladen nicht. Der Diebstahl halte sich im Rahmen. 99 Prozent der Kunden schätzten das Angebot und zeigten sich auch dankbar. Es werde aber nicht immer alles bezahlt, was in den Warenkorb gelegt werde. «Mit diesem Umstand müssen wir leben. Aber mithilfe der Polizei finden wir die Täter immer.»
Diebstahl versichern
Nicht alle Versicherungsgesellschaften bieten die gleichen Leistungen an, wenn es um Diebstahl auf dem Bauernhof geht. «Der ‚einfache Diebstahl‘ ist mitversichert, sofern dies in der Police eingeschlossen ist», gibt Christian Stetka, Mitarbeiter der Versicherungsabteilung des St. Galler Bauernverbands, Auskunft. Der Zusatz «einfacher Diebstahl» gelte dann für das gesamte Betriebsgelände (Viehhüteapparate), auch bei unverschlossenen Türen. Für Hofläden, die in der Police explizit erwähnt werden sollen, gibt er folgende Ratschläge: Videoüberwachung und, wenn kein 24-Stunden-Angebot besteht, klare Öffnungs- und Schliessprozesse. Möglichst wenig Bargeld in der Kasse aufbewahren und in der Police ein korrekt erfasstes Inventar notieren. «Twint-Zahlungen vermindern natürlich die Möglichkeit von Bargelddiebstahl.» Bei Diebstahl von Traktoren und Maschinen gelte in der Regel die Teilkaskoversicherung. Grundsätzlich sei bei einem Vorfall sofort die Polizei zu benachrichtigen und diesbezüglich Fotos und Inventarlisten bereitzuhalten.

Kaum Schadenersatz
Der Toggenburgshop bezieht einen kleineren Teil seines grossen Angebots direkt von Landwirten. Die Diebstahlkurve bei diesen gut florierenden Selbstbedienungsläden geht nach oben. Anfangs seien es nur Jugendliche gewesen, die Sandwiches geklaut hätten. Diese Täter seien jedoch immer gefasst worden und das Problem habe sich gelegt. «Momentan haben wir aber vor allem mit Ausländerbanden und Drogenabhängigen zu kämpfen. Die Aufklärungsquote ist hoch, aber die Schadenersatzforderung gestaltet sich oft schwierig», erläutert Ivan Louis von Toggenburgshop. Um die oftmals unter Tag ausgeführten Diebstähle aufzuklären, habe man mittlerweile sehr gute Überwachungstechnik installiert. «Für diese Schäden bietet aber keine Versicherung eine Police an.»
Abgelegene Höfe betroffen
Hofläden an stark befahrenen Durchgangsstrassen bieten den Vorteil, dass sie ständig unter Beobachtung stehen. Automaten oder über Nacht geschlossene Hofläden werden so weniger zum Ziel von Diebstählen. «Wir wohnen ziemlich abgelegen, aber da wurde doch tatsächlich unser Auto aufgebrochen», erzählt Karin Grob-Isenring aus Krinau. Gestohlen worden sei dann nichts Besonderes. Aber dass auf ihrem Bauernhof Diebesgesindel auftauche, gebe ihr schon zu denken. Dieser Umstand ist allerdings nicht neu. Schon immer wurden Diebstähle in Alpgebäuden oder Bergwirtschaften verübt. Da sie aber seltener vorkommen, ist die nachfolgende Bestürzung der Betroffenen über das unerwartete Geschehen grösser als in Agglomerationen, wo Diebstahl täglich passiert. Auch wenn sich die Einbrüche und Diebstähle im Umfeld der Landwirtschaft tatsächlich vermehren, ist das Bauernvolk letztlich selbst zuständig für eine möglichst gute Sicherung der Geräte oder Waren.

