Dreharbeiten zu «Zucker»: Statisten erleben Appenzeller Kultur
Dem Aufruf im «St. Galler Bauer» für einen Filmdreh wurde am 30. November 2025 fleissig Folge geleistet. Regisseur Elias Koller konnte am Drehtag zahlreiche Interessierte zur Mitwirkung an seinem Film begrüssen. Für viele wurde der Tag im «Bären» in Hundwil zu einem besonderen Erlebnis.

«Zucker» ist der Titel eines Kurzfilms, der im Sommer 2026 seine Premiere erleben wird. Sein Initiant und Regisseur ist der in St. Gallen aufgewachsene Elias Koller. Der Film «Zucker» beschäftigt sich mit den Traditionen des Appenzellerlands und den Ratzliedli im Besonderen. Diese überlieferten Lieder sind textlich scherzend, hänselnd und neckisch und waren über Generationen stark präsent in der Appenzeller Volkskultur. Ausgestorben sind diese Lieder nicht, haben aber nicht mehr die gleiche Verbreitung in der heutigen Gesellschaft wie einst.
Elias Koller hat in seinem Drehbuch dem Appenzeller Jugendchor, der das Ratzliedli «Min Schatz isch ke Zucker» singt, die eigentliche Hauptrolle zugedacht. «Die Ratzliedli widerspiegeln den Charme und die Kultur des Appenzellerlands. Der Film soll das Klischee brechen, dass die Ratzliedli-Gesellschaft veraltet sei», sagt er. Einige fiktive Geschichten, immer im Zusammenhang mit dem Jugendchor Appenzell, werden im Film «Zucker» erzählt. Dabei geht es um zeitgemässe Themen, die von kleinen Absurditäten aus dem Appenzellerland erzählen. Elias Koller und seine Mitarbeitenden möchten damit den jungen Menschen im Appenzellerland mit ihrem ländlichen Leben, ihrer Identität, den verdienten Wert verleihen. «Es sind oft Vorurteile von Aussenstehenden präsent. Mich fasziniert das Appenzellerland mit seiner offenen Eigenart.»
Szene: Abendunterhaltung
Es sind über 50 Personen, die sich als Statisten für den Dreh angemeldet haben. Schon eine Stunde vor Drehbeginn wird voller «Gwunder» ein erster Blick in den Bären-Saal geworfen. Dieser widerspiegelt die Stunde kurz vor Mitternacht. Dunkle Nacht vor den Fenstern, und einige eher spärlich leuchtende Kronleuchter verleihen dem Saal eine festliche Stimmung. Auf den Tischen liegen zum Teil zerknüllte Servietten. Einige mehr oder weniger sauber ausgeputzte Teller zeugen vom eben erst genüsslich verspeisten Schüblig mit Herdöpfelsalat. Eine Platz nehmende Statistin wundert sich über die Unordnung. Ihr eifrig begonnenes Aufräumen wird aber von der Szenenbildnerin bald unterbrochen. Man sei schliesslich am Eröffnungsfest des neuen Pfarreisaals und habe soeben ein feines Nachtessen genossen. Lachend werden die Utensilien wieder zurückgestellt und die Statistenschar wird nun an die für sie vorgesehenen Plätze gewiesen. Die Getränke werden verteilt, da und dort wird zum Spielen mit den bereitliegenden Jasskarten aufgefordert und die Stimmung erreicht die gewünschte Gemütlichkeit. Beim Eingang in der Ecke sind die Tombolapreise platziert. Der Hauptgewinn, ein Teddybär in menschlicher Grösse, sitzt auf einem Stuhl und blickt zufrieden in die Runde. Die Gesellschaft ist bunt gemischt. Jo Catena, eine Frau mit einiger Erfahrung als Filmstatistin, muss sich über Ratzliedli aufklären lassen. Sonja Müller und Berta Kühne, zwei aufgestellte Frauen aus dem Rheintal, haben sich spontan angemeldet. «Die Möglichkeit, bei Dreharbeiten aktiv dabei zu sein, hatten wir noch nie. Jetzt sind wir aber gespannt, was da verlangt wird.»

Gut aufpassen
Auf den zweiten Blick erkennt man den Bären-Saal als Filmstudio. Einige Kameras, verschiedene Beleuchtungen, Lautsprecher und andere Filmtechnik sind da und dort präsent. Junge Leute, grösstenteils Absolventen einer Ausbildung in der Filmbranche, wieseln eifrig umher. Kurze Besprechungen, mechanische Kontrollen oder definitives Befestigen eines Mikrofons; die Spannung steigt nicht nur bei den Statisten. Jetzt heisst Elias Koller alle willkommen und erklärt kurz Film und Geschichte. Niccolo Stibal, Regieassistenz, weist die Anwesenden schmunzelnd an, seinen Aufforderungen brav zu folgen. Um die Stimmung im Saal noch etwas anzuheizen, wird ein kurzes Gesellschaftsspiel gestartet. Jetzt kann es aber losgehen. Marcel Fuchs, ein junger Mann, in hübsche Tracht gekleidet, steht als erster Akteur auf der Bühne. Die Kameras sind auf ihn gerichtet und er spielt seine Rolle als Präsentator gut. Verständlich und laut bedankt er sich bei den Gästen und sagt den auftretenden Jugendchor an. Beim vierten Dreh dieser Szene entfällt dem Redner kurz der Text. Lachend wird die Panne wieder behoben und schliesslich kann der Jugendchor sein angesagtes Zäuerli nun vortragen. Devin Balzarek aus Schwellbrunn singt die erste Stimme bravourös und vermag damit auch die anwesenden Jodelkenner zu überzeugen.

Filmen mit Leidenschaft
Mehr als zehn Personen sind während der Dreharbeiten an ihren Geräten im Einsatz. Ihre Professionalität ist klar ersichtlich. Ruhig und doch mit Leidenschaft werden Szenen und deren eventuelle Wiederholung besprochen. Das Drehen der vierten Szene scheint schon beim ersten Mal die Anforderungen erfüllt zu haben. «Ihr habt es gut gemacht. Aber die Technik hat diesmal nicht richtig funktioniert», erklärt die Regieassistenz entschuldigend. Bei der nachfolgenden Szene ist das Publikum als Darsteller gefordert. Dafür braucht es eine Aufmunterung; sind doch schon einige Stunden vergangen seit Drehbeginn. Kein Problem für Elias Koller und seine Equipe. Mit ihrem Humor ist die Stimmung im Saal bald wieder im gewünschten Stadium. Nach mehreren verschieden angegangenen Aufnahmen, realisiert vom versierten Kameramann Rafael Graf, ist auch die Szene «Losverkauf» erfolgreich verlaufen und die letzte Szene wird angekündigt. «Es war gar nicht langweilig und wir sind froh, haben wir uns hier eingefunden», meinen die beiden Frauen aus dem Rheintal gut gelaunt. «Der Aufwand für diese Aufnahmen ist ja enorm und wir staunen, mit welcher Abgeklärtheit die Szenen realisiert wurden.» Die Handlung des Films konnte an diesem Nachmittag nicht im Detail behandelt werden. Aber das Interesse wurde bei den Statisten eindeutig geweckt. «Im Laufe des nächsten Frühlings wird dann wohl das Premierendatum veröffentlicht», klärte Elias Koller auf. Sein abschliessender Dank galt der Statistenschar, vor allem aber seinen zahlreichen Mitarbeitenden. Ein verdienter Applaus für sie schloss das Filmabenteuer für die Statisten ab.
