Europaweites Projekt soll Betriebe klimafit machen
Am Dienstag, 13. Januar 2026, öffnete Thomas Niedermann in Lenggenwil seine Stalltore. Sein Betrieb gehört zu den 1500 Demonstrationsbetrieben in 27 Ländern, die Klimaschutzmassnahmen unter Praxisbedingungen testen. Zwei Referate zeigten die Ziele auf.

Der Aufmarsch war zwar bescheiden, die Diskussionen nach den Referaten und dem Einblick in die Praxis dafür ergiebig, engagiert und kritisch. Der Impuls für das europäische Praxisnetzwerk Climate Farm Demo (CFD) ging von Frankreich aus. In der Schweiz werden unter der Leitung von Agridea, der unabhängigen Beratungszentrale für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft, 25 Pilotbetriebe in den Bereichen Milchviehhaltung, Mutterkuhhaltung und Ackerbau begleitet. Im Kanton St. Gallen ist das Landwirtschaftliche Zentrum (LZSG) Ansprechpartner und Begleitung; im Besonderen Simone Reinhart, Innovationsmanagement LZSG. Dieses hat die beiden Pilotbetriebe überzeugt, am mehrjährigen Projekt teilzunehmen.
Klimaveränderung fordert
Einblick in das Projekt gab Melissa Näf-Doffey von Agridea. Die beiden Themen Tiergesundheit und Klima vereinte Thyas Künzle, Fachstelle Rindvieh LZSG. Thomas Niedermann berichtete dann, was sich für ihn verändert hat, seit Barbara Beck-Wörner, Fachstelle Biobauland LZSG, vor zweit Jahren bei ihm die «CAP’2ER»-Analyse gemacht hat, die bei allen beteiligten Betrieben durchgeführt worden ist, um letztlich Gleiches mit Gleichem vergleichen zu können. In zwei Jahren wird wieder mit dem gleichen Werkzeug bilanziert. Melissa Näf-Doffey machte bewusst, dass landwirtschaftliche Betriebe den klimatischen Gegebenheiten ausgesetzt sind. Die Niederschläge im Frühling und Herbst sind intensiver geworden, die Sommer wärmer und trockener. Dadurch haben Schädlinge und Krankheiten ein leichteres Spiel und die Tiere und die Vegetation sind eher dem Hitzestress ausgesetzt. Auf der anderen Seite hat sich die Vegetationszeit um rund einen Monat verlängert. «Die Landwirtschaft ist stark von der Klimaveränderung betroffen. Die Planungssicherheit fehlt aufgrund der Schwankungen», betonte die Referentin. Anpassung an den Standort und die Reduktion von Emissionen seien deshalb notwendige Strategien. Auf den Pilotbetrieben sei festgehalten worden, was reinkomme und was rausgehe, entsprechende Massnahmen seien definiert und Massnahmen umgesetzt worden. Das Ziel sei ein klimafreundliches und resilientes Ernährungssystem. «Die Landwirtschaft hat ein grosses Potenzial im Bereich Methan. Da ist in kurzer Zeit eine grosse Wirkung möglich», sagte Melissa Näf-Doffey.

Für Betrieb und Klima
Thyas Künzle glaubt nicht, dass das Klima und die Landwirtschaft in einem Zielkonflikt stehen. «Das erste Ziel ist die Produktion von Nahrungsmitteln. Auf der anderen Seite ist die Landwirtschaft vom Klima abhängig und sie trägt auch schon viel bei, um die Belastungen zu reduzieren», sagte er. Bei den Massnahmen sei es entscheidend, dass es für die Tiere, für die Wirtschaftlichkeit und für das Klima Vorteile gebe. «Man muss das Ganze betrachten.» Von vielen verschiedenen Aspekten sprachen auch die anderen Fachleute im Verlauf des Anlasses. Letztlich würden viele kleine Veränderungen zu einem optimalen Ergebnis führen. «Das Optimale heisst nicht das Maximale», warf Barbara Beck-Wörner einmal ein. Künzle definierte das Herdenmanagement und meinte, dass es Klimaschutz der Effizienz sei, und das mache jeder. Die Tiergesundheit sei dabei zentral. Alte, gesunde Kühe mit viel Milch seien ein Vorteil. Damit dieses Ziel erreicht werde, brauche es Qualität im Stall: einen guten Liegebereich, Luft, verschiedene Fressplätze und genügend Futter und Wasser für alle Tiere.
Wichtig sei auch die Klauen- und Eutergesundheit. «Bei der Fütterung gibt es Möglichkeiten, den Methanausstoss zu reduzieren. Dazu gehören hochwertige, gut verdauliche Rationen. Jede Verbesserung der Futtereffizienz senkt die Emissionen aus der Futterproduktion», meinte Thyas Künzle. Er nannte Futtermittel wie Bovaer, Agolin, Tannine und natürliche Öle und Fette. Auch die Stickstoffeffizienz könne in der Fütterung verbessert werden. Der Fachmann ging zudem auf die Haltung ein, zu der Beschattung, Kühlung und Lüftung gehören. «Hitzestress ist zu vermeiden. Es braucht eine Beschattung von März bis Oktober.» Der Ammoniakschieber sollte oft genug laufen. «Es gibt viele Massnahmen im Katalog vom Projekt CFD, die sowohl für den Betrieb wie für das Klima positiv sind. Es ist gut, gezielt und bewusst durch den Betrieb zu gehen, um zu erkennen, wo Veränderungen machbar sind», riet er.

Viele kleine Massnahmen
Thomas Niedermann hat vor elf Jahren einen Freilaufstall gebaut. Gute Matratzen, Luft und guter Zugang zu Futter und Wasser sind gegeben. «Der Stall ist im Winter optimal, doch im Sommer fehlt der Schatten», erklärte er. Das liege allerdings an den Bauvorschriften. Er hat deshalb zusätzlich eine Lüftung installiert. Energie produziert er auf dem Dach, für die Güllengrube plant er eine Abdeckung, statt Rapsöl verfüttert er Leinpresskuchen, und er behält die Kühe länger. Bei den Rindern versucht er, sie um zwei Monate früher kalbern zu lassen. «Ich habe kaum kranke Kühe, überhaupt kein Problem mit den Sprunggelenken, und das ist ein Mehrwert für den Betrieb», freute er sich. Die Beteiligung am Projekt habe ihm Vorteile verschafft. «Ich habe mich in vielen Bereichen bestätigt gefühlt, weil wir schon vieles vorher umgesetzt hatten, und ich gehe mit einem anderen Blick durch den Betrieb.» Barbara Beck-Wörner bestätigte schliesslich, dass der Methanausstoss der grosse Hebel sei. «Die Summe aller Massnahmen bringt einen Effekt; belegbar wird er jedoch kaum sein», gestand sie. Sie machte jedoch auch bewusst, dass die Klimaveränderung eine gesellschaftliche Herausforderung sei, die nicht nur die Landwirtschaft betreffe.
