Zehn Jahre Bschorle: Ein Getränk schreibt Geschichte
Das Getränk Bschorle mit der idyllisch gestalteten Etikette feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Es vereint Malz mit Saft aus 28 Birnen- und Apfelsorten von Appenzeller Hochstammbäumen. Initiant Fredi Klee berichtet im Interview, was dieses Produkt so besonders macht und wie es entstanden ist.
Fredi Klee betreibt in Oberegg, Appenzell Innerrhoden, mit seiner Frau Andrea Mutterkuhhaltung und Obstbau mit rund 100 Hochstammbäumen. Als Präsident der IG Appenzeller Obst setzt sich der 57-Jährige seit Jahren für mehr Wertschöpfung und bessere Marktbedingungen ein.

Fredi Klee, wir stossen jetzt mit dem Jubiläumsgetränk auf zehn Jahre Bschorle an. Welche Gedanken und Gefühle löst dieser feierliche Moment bei Ihnen aus?
Fredi Klee: Einerseits freut mich, dass dieses spritzig-süsse Getränk schweizweit in den Regalen steht. Auf der Etikette ist im Hintergrund unser Dorf mit der Kirche abgebildet. Dieses Sujet bedeutet für mich, dass wir Oberegger uns mit der Marke Bschorle identifizieren und auf diesen Erfolg stolz sind. Dank gutem Absatz profitieren wir Obstbauern von erfreulichen Preisen. Gleichzeitig leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Hochstammobstanlagen in der Region. Damit wird das Landschaftsbild verschönert und das ganze Ökosystem aufgewertet. Andererseits spüre ich ein Kribbeln, sobald ich mich an die Entstehung von Bschorle erinnere: In einem gesättigten Markt ein neues Produkt anzubieten war ein Wagnis. Zudem mussten die passenden Partner gefunden werden, damit aus meiner Idee nicht eine «Eintagsfliege» wurde.
Sie hatten den Grundstein für die Lancierung eines Produkts aus Obstsaft gelegt, das den Getränkemarkt im Eiltempo eroberte. Wie verlief dieser Entwicklungsprozess?
Klee: Die Geschichte begann 2013 mit den tiefen Obstpreisen, als für 100 Kilo Birnen nur noch acht Franken bezahlt wurden. Zudem klagten die Imker, dass infolge der Dezimierung von Obstbäumen die Biodiversität leide. Als ich erfuhr, dass Mostobst in der Grünabfuhr landete, sah ich mich zum Handeln veranlasst. Ich besuchte einen Informationsanlass zum Programm zur regionalen Entwicklung (PRE), ein Förderinstrument des Bundesamts für Landwirtschaft. Danach kontaktierte ich Ruedi Kobelt, Inhaber der Mosterei in Marbach. Er hatte ein offenes Ohr für die Idee, einer Projektgruppe die Herstellung eines Appenzeller Birnensafts vorzuschlagen. Dazu mussten die Obstbauern ins Boot geholt und eine Produktionsfirma gefunden werden. Fündig wurden wir schliesslich bei der Brauerei Locher.
Ein gelungener Start?
Klee: Zu meiner Verblüffung kaufte Karl Locher per Handschlag gleich 70 bis 80 Tonnen Obst mit der Absicht, ein «Obstbier» zu kreieren. Das war der Startschuss zur Erhöhung der Lieferkapazitäten bei der Mosterei Kobelt. Die Herstellung des Mostkonzentrats übernahm die Mosterei Brunner in Steinmaur. Im Juni 2016 lancierte die Brauerei Locher nach einer intensiven Entwicklungsphase das Bschorle. Für die erste Degustation reiste ich mit meinen Berufskollegen per Car nach Appenzell. Ich war ziemlich nervös, denn ich hatte das Produkt bisher noch nicht zu Gesicht bekommen und war zur Geheimhaltung verpflichtet. Zum Glück waren wir alle vom Geschmack und von der Präsentation des Bschorle begeistert.
Voraussetzung für die Aufnahme ins Programm zur regionalen Entwicklung war die Gründung einer einfachen Gesellschaft. Wie wurde diese Auflage erfüllt?
Klee: 2016 gründeten wir die IG Appenzeller Obst und erwarben die Kollektivmitgliedschaft von Hochstamm Suisse. Die IG ist fürs Einsammeln des Obsts, das Pressen und für die Verdickung zum Konzentrat zuständig. Die Brauerei Locher kauft die gesamte Obstproduktion zu einem fairen Preis, stellt das Bschorle her und vertreibt es. Die IG Appenzeller Obst ist in diesen 10 Jahren von 21 auf 232 Aktivmitglieder aus Appenzell Inner- und Ausserrhoden gewachsen. Wir pflegen und nutzen heute zirka 8510 Hochstammbäume. Die Liefermenge pro Jahr variierte seit der Gründung der IG zwischen 44 und 1210 Tonnen Obst, das in Oberegg, Teufen und Herisau entgegengenommen wird.
2017 wurde in Bern der IG Appenzeller Obst für Bschorle der Agro-Preis verliehen. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?
Klee: Sie ist eine Bestätigung dafür, dass sich der Einsatz für eine gute Sache lohnt, obwohl sie zu Beginn vielleicht aussichtslos schien. Dieser Preis ist eine Wertschätzung unseres Engagements fürs Kleingewerbe, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben und eine ländliche Region profitieren kann. Auch wird damit ein Zeichen gesetzt für Nachhaltigkeit und den Erhalt naturnaher Lebensräume. Dass mit diesem Preis der Bekanntheitsgrad von Bschorle erhöht wurde, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.
Mit welchen Gedanken und Gefühlen blicken Sie als «Mister Bschorle» in die Zukunft?
Klee: Ich bin zuversichtlich, dass der Abnahmevertrag mit der Brauerei Locher bestehen bleibt und Bschorle sich weiterhin gut verkauft. Der Bschorle-Balsamessig und das alkoholfreie Bschorle-Fondue sind auf dem Markt ebenso erfolgreich. Wer weiss, vielleicht wird diese Produktepalette plötzlich mit etwas Neuem erweitert. Aktuell freue ich mich auf das Bschorle- Jubiläumsfest für die Mitglieder der IG Appenzeller Obst. Dieser Anlass findet am 12. September auf dem Areal der Brauerei Locher in Appenzell statt.

Haben Sie Bschorle schon einmal probiert?
