Aprilscherz: Herkunft, Mythen und Klassiker
Wenn plötzlich Spaghetti im Tessin wachsen und Kühe auf der Autobahn grasen, ist der 1. April nicht weit. Hinter den Scherzen steckt eine lange Geschichte und es gibt Gründe, warum der «St.Galler Bauer» darauf verzichtet.
Am 1. April wird wieder gescherzt, geflunkert und hereingelegt. Kaum ein Brauch ist so verbreitet und gleichzeitig so rätselhaft. Denn der Ursprung des Aprilscherzes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Historiker gehen davon aus, dass mehrere Traditionen zusammengewirkt haben.
Kalenderreform als mögliche Erklärung
Eine der bekanntesten Theorien führt den Aprilscherz auf eine Kalenderreform im 16. Jahrhundert zurück. In Frankreich wurde der Jahresbeginn vom 1. April auf den 1. Januar verschoben. Menschen, die weiterhin im April Neujahr feierten, sollen verspottet oder mit falschen Einladungen hereingelegt worden sein. Ob diese Erklärung historisch gesichert ist, bleibt umstritten, doch sie gehört zu den meistzitierten Deutungen.
Andere Forscher sehen Parallelen zu antiken Frühlingsfesten, etwa römischen Feierlichkeiten mit Maskeraden und Spott. Auch der wechselhafte April selbst wurde als Symbol für Täuschung interpretiert.
Aprilfisch und frühe Belege
In Frankreich ist seit dem 16. Jahrhundert der Brauch des «Poisson d’avril» bekannt. Kinder kleben heimlich einen Papierfisch auf den Rücken von Bekannten oder schicken Menschen auf sinnlose Besorgungen. Die Redewendung «in den April schicken» ist im deutschsprachigen Raum erstmals 1618 in Bayern schriftlich belegt. Der Begriff «Aprilscherz» setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch.
Legendäre Aprilscherze der Medien
Auch Medien erlauben sich gelegentlich Streiche, manchmal mit erstaunlicher Wirkung. Einer der bekanntesten Fälle stammt von der BBC aus dem Jahr 1957.
Die BBC berichtete in ihrer Sendung «Panorama» über eine angebliche Spaghetti-Ernte im Tessin. Dank eines milden Winters und des fast vollständigen Verschwindens des sogenannten Spaghetti-Rüsslers sei die Ernte besonders reich ausgefallen. Einige Zuschauer reagierten empört, weil ein seriöses Nachrichtenformat einen Scherz ausgestrahlt hatte. Andere wollten wissen, wo sie einen eigenen Spaghetti-Baum kaufen könnten. Der Beitrag gilt bis heute als einer der berühmtesten Fernseh-Aprilscherze.
Auch in der Schweiz wird und wurde der Brauch gepflegt: In einem SRF-Beitrag von 1967 erhielt ein Bauer angeblich die Bewilligung, den Grünstreifen auf der Autobahn als Kuhweide zu nutzen. Eine Archivperle des Schweizer Fernsehens. Dieser Beitrag finden Sie hier.

Warum der St.Galler Bauer keine Aprilscherze bringt
Aprilscherze sucht man im «St.Galler Bauer» meist vergeblich. Das hat praktische Gründe. Nur selten fällt der 1. April auf einen Freitag, den Erscheinungstag des Hefts. Selbst wenn dies der Fall wäre, müssten Leserinnen und Leser eine Woche auf die Auflösung warten. Ein Scherz, der erst Tage später erklärt wird, sorgt eher für Verwirrung als für ein Lächeln.
Doch ganz ausschliessen will es die Redaktion nicht– man weiss ja nie, was der Redaktion in den Sinn kommt…
Quellen: Verschiedene, online
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