Alptagebuch 2026 #5: Die Halbsommertiere verlassen die Alp
Der Regen fehlt auf der Alp Panüöl. Mensch und Tier versuchen, der grössten Hitze auszuweichen. Die hochträchtigen Tiere verlassen nun die Alp. Eine schwierige Zeit macht dem Team zu schaffen. Regula Hobi erzählt.

Wir haben zwar etwas Regen erhalten, aber immer noch viel zu wenig. Daher wächst sehr wenig frisches Gras und jenes vom ersten Schnitt wird alt. Der Vorteil vom trockenen Wetter ist, dass es keine Trittschäden gibt. Auch die Weideein- und ausgänge bleiben sauber.
Auch die Hitzetage gehen in die nächste Runde. Es ist zwar nicht so heiss wie im Tal, trotzdem ist es für die Kühe wie auch für uns Älpler nicht immer ganz einfach. Wir achten darauf, dass die Kühe am Morgen möglichst früh auf der Weide sind, damit sie nicht bei der grössten Hitze zur Weide laufen müssen. Nach dem Mittag um etwa 14 Uhr, wenn wir die Kühe von der Weide holen, können wir der Hitze leider nicht entfliehen. Wir achten aber darauf, dass wir den Kühen viel Zeit für den Weg geben.
Eines vom Wichtigsten bei diesen Temperaturen ist das Wasser. Einige Brunnen sind an der öffentlichen Wasserversorgung angeschlossen, dort haben wir glücklicherweise kein Problem mit der Wassermenge. Es gibt aber durchaus Quellen, die stark zurückgegangen oder gar ganz ausgegangen sind. Wir müssen teilweise mehrmals am Tag kontrollieren, ob noch genug Wasser vorhanden ist. Zusätzlich können wir noch Wasser von der Wasserleitung der Beschneiung der Bergbahnen beziehen. Der Aufwand ist grösser als in anderen Jahren, aber wir müssen noch kein Wasser vom Tal auf die Alp führen. Dieser Aufwand wäre dann enorm. Wir sind immer noch optimistisch, dass wir noch etwas Regen erhalten.

Anfang August findet bei uns jeweils der Halbsommer statt. An diesem Tag verlassen die hochträchtigen Tiere die Alp. In diesem Zeitraum konnten wir die ersten Kühe galt stellen. Man merkt sofort, wenn ein paar weniger zum Melken sind. Auch ist die Milchmenge stark gesunken. Bis Mitte/Ende Juli konnten wir die Menge relativ gut halten. Aber die Hitzetage danach und auch das ältere Gras waren die Gründe dafür, dass die Kühe deutlich weniger Milch gebe als in den letzten Jahren. Dies zwang uns dann auch dazu, dass ein paar Kühe mehr galt gestellt wurden als geplant.

Auch wenn ein Alpsommer meistens für Aussenstehende aussieht wie im Bilderbuch, gibt es durchaus Momente, die man sich nicht wünscht. Meistens, wenn das Wetter über Wochen regnerisch ist oder wenn die Tiere nicht gesund sind. Diese Momente können sich negativ auf die Gemüter auswirken und es kann einen schon mal die Motivation verlassen. Auch die langen Tage und die kurzen Nächte sind nicht zu unterschätzen.
In den letzten Wochen ist es um Panüöl etwas ruhiger geworden. Der tragische Unfall auf der Alp Kohlschlag hat uns tief getroffen. Wir hatten eine sehr schwierige Zeit, für die es keine Worte gibt. Umso dankbarer sind wir für die vergangenen Zeiten, die wir gemeinsam erleben durften, und wir können täglich an die schönen Momente zurückdenken. Stundenlang konnten wir gemeinsam lachen und teilten die gemeinsame Leidenschaft, das z Alp gehen. Diese Zeit kann uns niemand nehmen und die Bilder bleiben für immer in Erinnerung.

Alptagebuch
Regula Hobi aus Flums Hochwiese verbringt den siebten Sommer auf der Alp Panüöl auf dem Flumserberg. Sie betreut zusammen mit ihrer Mitälplerin 95 Milchkühe. Regelmässig berichtet sie über ihre Erlebnisse und besondere Ereignisse.

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