Alptagebuch 2026 #4: Der langersehnte Regen ist gekommen

Regula Hobi ist bereits seit sechs Wochen auf der Alp. Mit dem Beginn der Sommerferien sind auch die ersten Ferienkinder auf der Alp. Diese helfen nun auch tatkräftig auf der Alp Panüöl mit.

Nun sind wir bereits sechs Wochen auf der Alp. Fast. Nicht zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Bald ist die Hälfte des Sommers vorüber. Oft fragen wir uns, wo die Zeit nur hin ist. Die Kühe, aber auch wir haben uns mittlerweile gut auf der Alp eingelebt. Das Melken und das Einbinden funktionieren schon deutlich besser als am Anfang. Ein Grossteil der Kühe kennt den Platz im Stall, dies erleichtert unsere Arbeit deutlich.

Herrliche Sonnenuntergänge auf der Alp.
Herrliche Sonnenuntergänge auf der Alp.

Die Sommerferien haben begonnen, das heisst auch, dass die ersten Ferienkinder auf der Alp eingetroffen sind. Es sind Verwandte und Bekannte von uns, die uns einen Besuch abstatten und uns bestmöglich unterstützen. Damit der Alpnachwuchs gewährleistet ist, geben wir den Kindern die Freude am Älplerleben weiter.

Man merkt richtig, wie die Kinder aufblühen und wie gross ihre Freude ist, dass sie nun in Panüöl sein dürfen. Sie werden in die Arbeiten miteinbezogen und packen ordentlich an. Sie sind den ganzen Tag voller Freude aktiv. Das Alpfieber gibt es also auch bei Kindern.

Am Melkstand werden die Kühe gemolken.

Da die Weiden nun weiter weg sind als am Anfang, gibt es die ersten lahmen Kühe. Wenn möglich, werden sie von uns behandelt und gepflegt. Falls dies nicht möglich ist, wird mit dem Besitzer nach der optimalen Lösung gesucht. Damit die Heilung etwas schneller vorangeht, wird ihnen eine Weide direkt an der Hütte eingezäunt. So können wir ihre Füsse etwas schonen und der Heilungsprozess geht deutlich schneller.

Nun ist auch der Zeitpunkt gekommen, dass wir die weiteste und steilste Weide beweiden müssen. Der Hang ist steil und gefährlich, auch die Kühe zu holen braucht viel Geduld von uns Älplern, aber auch von den Kühen. Einen Teil vom Heimweg müssen die Kühe auch in Einzelkolonne bewältigen. Bei jeder Heimkehr sind wir froh, wenn wir alle Kühe gesund nach unten gebracht haben, und am letzten Tag ist die Erleichterung gross, dass wir keine Zwischenfälle verzeichnen müssen.

Die Kühe wurden von der Weide geholt. Bilder: Regula Hobi
Die Kühe wurden von der Weide geholt. Bilder: Regula Hobi

Seit wir auf der Alp sind, hatten wir kaum Regen. Dies heisst auch, dass die Quellen zurückgegangen sind. Ebenfalls wächst bei den geweideten Flächen kein neues Gras nach. Der Vorteil vom trockenen Wetter ist, dass es keine Schäden an der Weide gibt und die Kühe kein Gras zertrampeln. Nach fünf Wochen praktisch regenfreier Zeit sind wir dankbar für jeden Tropfen Regen, den wir erhalten. Da die Temperaturen sehr hoch waren, hoffen wir, dass die Gewitter nicht so stark ausfallen, sodass es nicht zu Überschwemmungen und Flurschäden kommt. Wir können aber zufrieden sein, denn wir sind von Hagel verschont geblieben. Es hat lediglich kurze Momente gerieselt. Zum Glück mussten wir keine Schäden in Kauf nehmen.

Auch unsere Alphunde geniessen das schöne Wetter.

Da es nun geregnet hat und noch weiterer Regen in Sicht ist, muss die Gülle noch ausgebracht werden. Wettertechnisch konnten wir zum optimalen Zeitpunkt güllen. Die Gülle wird im Frühling und ein Teil nach dem ersten Abweiden ausgebracht. Der Mist wird nur im Herbst verteilt. Da wir die Tiere über die Nacht einstallen, gibt es viel Mist. So können wir die Nachtweiden schonen und wir können den Mist als Dünger auf die Weiden ausbringen.

Da das Stroh nicht bis zum nächsten Sommer reicht, wurde davon noch ein Anhänger voll geliefert. Beim Abladen der Kleinballen konnten wir glücklicherweise auf die Unterstützung von den Landwirten zählen.

Das Jungvieh und die Galtkühe wurden auch noch auf frische Weide gelassen. Zurzeit ist das Jungvieh noch auf einer tieferen Weide, als Panüöl ist. Bald aber gehen sie weiter in die Höhe. Der höchste Punkt der Jungviehweide ist auf dem Leist und liegt auf 2222 Metern über Meer.

Alptagebuch

Regula Hobi aus Flums Hochwiese verbringt den siebten Sommer auf der Alp Panüöl auf dem Flumserberg. Sie betreut zusammen mit ihrer Mitälplerin 95 Milchkühe. Regelmässig berichtet sie über ihre Erlebnisse und besondere Ereignisse.

Weitere Alptagebuch-Beiträge sind hier zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link