Alptagebuch 2026 #2: Start in den Alpsommer geglückt
Für Regula Hobi hat der Alpsommer 2026 begonnen. Nach und nach treffen die Tiere ein. Der Alltag ist geprägt von viel Arbeit und langen Tagen.

Nun heisst es noch einmal schlafen und der Alpsommer 2026 geht definitiv los. Das Wetter am Vortag entsprach überhaupt nicht unseren Wünschen. Auf der Alp Panüöl schneit es schon wieder und es ist dementsprechend kalt. Auch am Alpauffahrtstag ist das Wetter, vor allem am Vormittag, wieder kühl und nass. Am Nachmittag ist dann Besserung in Sicht und die Sonne zeigt sich zeitweise.
Die ersten Tage verbringen wir auf dem unteren Stafel, auf der Alp Ruhegg im Schilstal. Da diese etwas tiefer gelegen ist, hatten wir dort keinen Schneefall mehr. Das Wetter war jedoch kalt und nass.
Etwas nervös stehen wir am Alpauffahrtsmorgen auf. Nach dem Frühstück treffen bereits die ersten zwei Kühe ein. Sie werden gekennzeichnet und dann auf die Weide gelassen. Fortlaufend werden die Kühe zur Alp geführt und treffen bei uns ein. Die Rangordnung musste unter den Kühen geregelt werden. Ebenfalls traf am Vormittag meine Familie mit ihren Helfern bei uns ein. Sie wanderten mit dem Jungvieh von zu Hause auf die Alp. Alle waren durchnässt. Umso mehr waren sie froh, dass sie nun in eine warme Alphütte reindurften. Das verdiente Frühstück bestand aus Rösti und Spiegelei.

Bis am späteren Nachmittag sind dann 60 Kühe bei uns angekommen. Die restlichen 35 Kühe nehmen den Fussmarsch am frühen Abend unter die Füsse und treffen vor dem Eindunkeln bei uns ein. Wir müssen am ersten Abend somit nur rund zwei Drittel der Kühe melken. Nachdem die Kühe gemolken, die Ställe bereit gemacht sind für den Morgen und das Melkgeschirr gereinigt ist, machen wir uns auf den Weg, um die restlichen Kühe in Empfang zu nehmen.
Um 3 Uhr morgens klingelt der Wecker und es ist Tagwache. Der Rinderhirte hat die Kühe von der Weide geholt und wir starteten mit Einstallen. Die meisten Kühe stammen von einem Laufstall und für diese ist das Anbinden Neuland. Nach einer halben Stunde ein kleines Erschrecken. Die Lichter gingen aus. Leider konnten wir den Defekt nicht beheben. Daher wurden die Kühe mithilfe von Taschenlampe und Natel eingestallt. Erstaunlicherweise funktionierte dies gut. Mit Geduld und Ruhe wurden die Kühe in angemessener Zeit angebunden. Auch während dem Melken funktionierte das Licht nicht. Wir machten das Beste aus der Situation und verloren den Humor nicht. Wir sind froh, dass das Licht ausgefallen ist und nicht die Melkanlage.
In der Ruhegg werden die Kühe lediglich für das Melken eingestallt, die restliche Zeit verbringen sie auf der Weide. Gemolken wird mit einer Eimermelkanlage. Wir können auf die Unterstützung vom Rinderhirt zählen. Ohne seine Mithilfe wäre das Melken in der Ruhegg fast unmöglich. Vor allem auch, weil die Milchkübel relativ weit bis zum Tank getragen werden müssen.
Am Abend, sobald die Milch heruntergekühlt ist, nehme ich mit dem Traktor und dem Milchtank den Weg in die Käserei auf mich. Bei der Milchannahmestelle trifft man die weiteren Älpler. Es herrscht ein reger Austausch. Die Stimmung unter den Älplern ist gut. Die Milch wird täglich in die Alpkäserei Tannenboden geliefert. Die ersten Tage in der Ruhegg sind wir für den Milchtransport selbst zuständig. Sobald wir in Panüöl sind, wird unsere Milch von unseren Nachbarsälplern der Alp Fursch abgeholt und transportiert.
Die Zeit in der Ruhegg ist intensiv und anstrengend. Die Tage sind lang und dauern von 3 Uhr morgens bis abends um 21 Uhr. Wenn alles rundläuft, können wir noch einen kurzen Mittagsschlaf machen. Dies ist aber nicht immer so. Am Abend fallen wir dann jeweils todmüde und zufrieden ins Bett.

Die ersten Tage wird den Kühen ein Halsband mit Transponder umgehängt. Dies ist für den Melkstand in Panüöl. Jede Kuh erhält eine Nummer. Die Milchmenge jeder Kuh wird dann im Melkstand gemessen. Für uns ist dies eine grosse Erleichterung, um nicht wöchentlich die Milchmenge messen zu müssen. Wir können sie elektronisch abrufen.
Das Jungvieh bezog eine neue Weide. Die Tage sind vollgepackt mit Arbeit. Daher vergeht die Zeit in der Ruhegg wie im Flug. Aufgrund der sehr intensiven Zeit in den ersten Tagen freuen wir uns umso mehr auf die kommende Zeit in Panüöl.
Alptagebuch
Regula Hobi aus Flums Hochwiese verbringt den siebten Sommer auf der Alp Panüöl auf dem Flumserberg. Sie betreut zusammen mit ihrer Mitälplerin 95 Milchkühe. Regelmässig berichtet sie über ihre Erlebnisse und besondere Ereignisse.

