Alpabenteuer 2026 – Rückblick auf eine Alpfahrt, die Brücken baute

Vom 18. Juni bis 26. Juni legte Annette Ziller gemeinsam mit ihrer Kuhfamilie in acht Etappen rund 60 Kilometer und 2000 Höhenmeter zurück. Ihre Alpauffahrt zu Fuss von Schänis über den Kerenzerberg und die Seezebene bis zur Alp Gafarra im Weisstannental mit vielen Ereignissen und Begegnungen hinterliess Spuren bis ins Herz.

Am Ziel: Annette Ziller und ihr Grauvieh kamen glücklich und gesund auf der Alp Gafarra an. Bilder: zVg.
Am Ziel: Annette Ziller und ihr Grauvieh kamen glücklich und gesund auf der Alp Gafarra an. Bilder: zVg.

Das Abenteuer Alpauffahrt 2026 war ein aussergewöhnliches Projekt, das Tradition, Landwirtschaft, Natur und Begegnungen zwischen Menschen miteinander verband. Initiantin war Landwirtin Annette Ziller, die sich entschied, ihre Mutterkühe und Kälber nicht wie heute üblich mit dem Viehanhänger auf die Alp zu transportieren, sondern den historischen Alpweg zu Fuss zu gehen, und das unter dem Motto «Brücken baue-r-n».

Unterwegs mit Kuh und Kalb

Entlang der Reise waren Wilma und Waja die Stars. Trotz der sommerlichen Temperaturen bewältigten die beiden knapp zwei Monate alten Kälber die Etappen gut. Da für die gebürtige Pinzgauerin das oberste Ziel war, gesund auf der Alp anzukommen, war ihr das Tierwohl ihrer Kuhfamilie am wichtigsten. Die Klauen hatte sie dabei genauso im Blickfeld wie alles andere. Ein Insektenstich im Auge von Mutterkuh Wenke konnte dank telefonischem Rat des Vereins Kometian schnell geheilt werden.

An Frauenhand, hier mit Begleitperson Mariann, einer Journalistenkollegin, gings vorwärts; im Hintergrund die Churfirsten.

Ein Highlight entlang der Strecke war der gemeinsame Abend bei Familie Hobi in Flums Wiesental: Zu Besuch kamen Nachbarn, Bekannte aus Mels sowie Familie Riget vom Gasthof der ersten Etappe in Schänis. In geselliger Runde wurden Erfahrungen aus Landwirtschaft und Alltag ausgetauscht. Dabei stellte Pius Riget anerkennend fest: «Die Kälber Waja und Wilma haben sogar zugenommen.»

Unerwartete Herausforderung

Die Route sowie auch die Zwischenstationen waren im Vorfeld von Annette Ziller sorgfältig geplant und grösstenteils besichtigt worden. Eine Ausnahme bildete ein kurzer Abschnitt zwischen Mels und dem Weisstannental. Dort entschied sich die Gruppe für den steilen Weg vom Mühletobel in den Egeliboden. Eine Felsstufe erschwerte den Aufstieg und führte kurzfristig zu einer anspruchsvollen Situation. Mensch und Tier konnten diese jedoch ohne Zwischenfälle bewältigen. Die 41-jährige Initiantin resümierte zum Schluss: «Kenne jeden Meter deiner Strecke. Auch Regenwetterfälle oder Ähnliches können eine Wegpassage unpassierbar machen.»

Das Rätisches Grauvieh ist eine alte, extensive Rasse, die Berghänge, Kilometer und Temperaturunterschiede gut vertragen und keine Leistungseinbussen zeigen.

Landwirtschaft im Wandel

Die Reise bot Gelegenheit, mit Landwirtinnen und Landwirten unterschiedlicher Betriebsformen ins Gespräch zu kommen. Egal, ob Hochleistungszüchter, Hobbybetrieb oder Nebenerwerbslandwirt, eines stellte Annette Ziller auf ihrem Abenteuer Alpauffahrt fest: «Uns alle eint die Beziehung zum Tier.» Mehrfach wurde die ruhige Führigkeit der Kuhfamilie angesprochen. «Diese sind das Resultat einer konsequenten Gewöhnung und regelmässigen Arbeit mit den Tieren», sagt sie stolz.

Früher gehörte der Fussmarsch auf die Alp vielerorts zum landwirtschaftlichen Alltag. Heute werden die meisten Tiere mit Fahrzeugen transportiert. Gründe dafür sind unter anderem der organisatorische Aufwand sowie die züchterische Entwicklung vieler Nutztiere, die auf hohe Leistung ausgerichtet sind. Das von Annette Ziller gehaltene Rätische Grauvieh gilt hingegen als robuste und ursprüngliche Rasse, deren Zucht auf den Erhalt der Eigenschaften und nicht auf maximale Leistung ausgerichtet ist. «Das war ein Erfolgsfaktor unserer Alpauffahrt, der zweite war der Effort unserer Begleitpersonen, die sich alle für dieses Reiseabenteuer Zeit nahmen», sagt sie.

Positive Resonanz

Während der gesamten Reise stiess das Projekt auf grosses Interesse. Zahlreiche Menschen suchten den Kontakt zur Reisegruppe entlang des Weges oder verfolgten die Alpauffahrt über soziale Medien und die täglichen Beiträge auf www.stgallerbauer.ch. Damit, so die gebürtige Österreicherin, sei auch ihr zweites Ziel erreicht, eine Reise zu unternehmen, an der viele teilhaben können, und viel Freude schenken. «Denn wenn wir teilen, wird es mehr.»

Ob die Rückkehr von der Alp ebenfalls zu Fuss erfolgen wird, ist derzeit noch offen. Dies hängt unter anderem davon ab, wo für den mobilen Bauernhof ein Winterquartier gefunden werden kann. Der mobile Bauernhof ist ein Projekt von Annette Ziller, das aus dem Zugzwang entstand, gerne zu «puure», jedoch noch kein eigenes Land zu besitzen. So besucht der mobile Bauernhof Schulen, Firmen, Spielgruppen oder Privatgärten.

 

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Alle Etappen in der Übersicht

 

 

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