Ein motiviertes Team auf der Alp Branggis

Unterhalb des Pizols liegt die Alp Branggis, auf der Anita Bieri, Pascal Good und Pirmin Schwitter den Sommer 2026 mit 90 Milchkühen, einem Stier, 90 Schweinen, fünf Hühnern und Hündin Leika verbringen. Erst wenn auf der anderen Talseite die Gipfel im Abendrot leuchten, endet ein Arbeitstag auf der Alp.

Eingespieltes Trio auf der Alp Branggis: Anita Bieri, Pirmin Schwitter und Pascal Good (von links).
Eingespieltes Trio auf der Alp Branggis: Anita Bieri, Pirmin Schwitter und Pascal Good (von links).

Punkt 3.45 Uhr klingelt der Wecker in der Alphütte Branggis. Die Morgensonne zeigt sich hier wegen des dichten Tannenwaldes erst einige Stunden später. Und doch heisst es jetzt aufstehen. Für den ersten Kaffee bleibt nicht lange Zeit. Das eigentliche Frühstück gibt es erst gegen sieben Uhr, nachdem alle Tiere versorgt und die Kühe gemolken sind. Der Senn, Pirmin Schwitter, ist erst vor wenigen Tagen 28 Jahre alt geworden. Der gelernte Schreiner aus Mels verbringt auf 1561 Metern über Meer seinen fünften Alpsommer. Zuvor war er auf der Alp Kohlschlag in verschiedenen Funktionen tätig.

Zum Alpteam gehören auch seine Freundin Anita Bieri, die als Küherin tätig ist, und der 24-jährige Zusenn Pascal Good, der im Winter als Zimmermann arbeitet. Mit dabei ist zudem Leika, eine junge Border-Collie-Mischlingshündin. Dass die Saison bislang reibungslos verläuft, führen die drei auch auf das gute Miteinander zurück. Auf einer Alp verbringt man während Monaten fast jede Stunde gemeinsam. Da seien gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, einander auszuhelfen, besonders wichtig. «Wir ergänzen uns gut», sagt Pirmin Schwitter. Jeder kennt seine Aufgaben, trotzdem packt man dort an, wo es gerade nötig ist. Denn der Arbeitstag auf der Alp kennt kaum normale Arbeitsstunden. Heute stattet auch Alpmeister Felix Rupp der Alp einen Besuch ab. Er unterstützt das ganze Team in verschiedenen Situationen und ist auch immer abrufbereit. Im Auftrag der Ortsgemeinde Valens-Vasön trägt er die Verantwortung für den Bestand.

Eine zweistaffelige Alp

Die Alp wird als zweistufiger Betrieb geführt. Im Frühsommer befinden sich die Tiere auf den tiefer gelegenen Weiden. Später begeben sie sich auf das höher gelegene Obersäss Lasa. So kann das Futterangebot während des ganzen Alpsommers optimal genutzt werden. Die Weiden der Alp Branggis und des Obersässes Lasa erstrecken sich am Fuss des Pizol-Massivs von 1400 bis auf 2100 Meter über Meer. Die Kühe fressen den Sommer über frische Alpenkräuter und Gräser, die der Milch ihr besonderes Aroma verleihen. Auf der Alp ist der Weg von der Weide zum Käse kurz. Umso arbeitsintensiver sind die Abläufe. Die frisch gemolkene Milch gelangt direkt in die Alpkäserei. Dort wird die am Vorabend gemolkene Milch, die über Nacht gekühlt wurde, mit der warmen Morgenmilch vermischt. «Im Chupferchessi erwärmen wir die Milch und setzen Lab zu», erklärt Pirmin Schwitter in seinem unverkennbaren Melser Dialekt. Sobald die Milch die richtige Konsistenz erreicht hat, zerteilt er die Masse mit der Käseharfe, bis sich die Molke von der Gallerte trennt. Anschliessend ziehen er und Pascal Good den Käsebruch mit einem grossen Käsetuch von Hand aus dem Kessel und pressen den Käse in die runden Formen. Im Käsekeller werden die Laibe über Monate hinweg gepflegt, gewendet und regelmässig mit Salzwasser geschmiert. «Auch gehört ein Witz oder ein Spruch während der intensiven Arbeit dazu, nur so macht es auch Spass zusammen», sagt Pascal Good.

Der Melser Pirmin Schwitter präsentiert einen Laib Alp-Branggis-Lasa-Käse.
Der Melser Pirmin Schwitter präsentiert einen Laib Alp-Branggis-Lasa-Käse.

Schweine fühlen sich sauwohl

Die Silvestri-Alpschweine werden auf der Alp mit Schotte gefüttert und verfügen über einen grosszügigen Auslauf. Besonders begehrt sind an diesem warmen Sommertag die Schattenplätze unter den mächtigen Nadelbäumen. Ob einzelne Tiere mit der Zeit zutraulich werden? Pirmin Schwitter muss nicht lange überlegen. «Ein besonders neugieriges Tier haben wir kurzerhand Otto benannt», erzählt er lachend. Generell gehe es den Schweinen auf der Alp sehr gut. Sie hätten ausreichend Platz und könnten ihrem natürlichen Verhalten nachgehen. «Ei Wöhli», ergänzt er schmunzelnd und bestätigt damit auf seine Weise das gute Leben der Tiere.

Der mit frischem Quellwasser gespeiste Brunnen bietet den Tieren eine willkommene Erfrischung.
Der mit frischem Quellwasser gespeiste Brunnen bietet den Tieren eine willkommene Erfrischung.

Willkommene Leckereien

Ganz in ihrem Element ist auch Anita Bieri beim Melken. Rund zwei Stunden dauert die normale Melkzeit Anfang Sommer. Für viele wäre dies Routine, für sie gehört das Melken zu den schönsten Momenten des Tages. «Hier kann ich abschalten», sagt sie. Kühe seien intelligente Wesen und würden schnell zeigen, wenn etwas nicht stimme. Jede Kuh habe ihren eigenen Charakter, erzählt Anita Bieri. Manche seien neugierig und suchten den Kontakt zu den Menschen, andere hielten lieber Abstand. Mit der Zeit lernt man die Tiere genau kennen. Wer aufmerksam beobachte, erkenne rasch, wenn eine Kuh nicht fresse, lahme oder sich anders verhalte als gewohnt. Gerade auf der Alp, wo die Tiere täglich grosse Flächen beweiden, sei dies besonders wichtig. Viel Freizeit bleibt während der Alpsaison nicht. Umso mehr freuen sich die drei über kleine Abwechslungen im Alltag. Ein Besuch von Familie oder Freunden bringt Neuigkeiten aus dem Tal auf die Alp. Oft werden dabei nicht nur Geschichten, sondern auch selbst gebackene Kuchen oder andere Leckereien mitgebracht.

Pirmin Schwitter beim abendlichen Melken.
Pirmin Schwitter beim abendlichen Melken.

Nicht ohne den Alpsegen

Am Abend kehrt langsam Ruhe ein auf der Alp. Die Kühe liegen wiederkäuend auf den Weiden, die Schweine haben ihre Schattenplätze verlassen und geniessen den Auslauf und die angenehme Abendluft. Nach einem Tag voller Arbeit wird es still. Genau dann beginnt für Pirmin Schwitter einer der wichtigsten Momente des Tages. Nachdem die Tiere versorgt sind, macht er sich auf den Weg zur Anhöhe, wo das Alpkreuz steht, dann ruft er die traditionellen Worte hinaus zu den Tieren und zur Natur. Mit dem Betruf wird um Schutz für Mensch und Tier sowie für die Alp und ihre Weiden gebeten. Ebenfalls wird für den vergangen Tag gedankt. Die Worte hallen bis ins Tal. «Wenn ich den Alpsegen nicht gesprochen habe, fehlt etwas», sagt Pirmin Schwitter. «Er gibt mir Sicherheit und das Vertrauen, dass morgen wieder ein guter Tag wird.» Während auf der gegenüberliegenden Talseite die Gipfel im Abendrot leuchten, endet ein weiterer Tag auf der Alp Branggis.

UNO-Jahr der Weiden und Hirten

Die UNO hat 2026 zum Internationalen Jahr der Weiden und Hirten erklärt. Im Fokus stehen die Menschen, die mit ihren Tieren Grasland bewirtschaften und damit Landschaften prägen, die weltweit rund drei Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen. Auch in der Schweiz ist die Weidewirtschaft von zentraler Bedeutung: Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche besteht aus Wiesen und Weiden, dazu kommen die ausgedehnten Alpweiden des Sömmerungsgebiets. Seit 2023 gehört die Schweizer Alpsaison zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Weitere Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

stgallerbauer.ch Newsletter
Seien Sie die Ersten, um neueste Updates und exklusive Inhalte direkt in Ihren E-Mail-Posteingang zu erhalten.
Anmelden
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link