Messerschleifer Thoma geht in den Ruhestand
14 Jahre lang war der Gommiswalder Messerschleifer Franz Thoma mit seinem Schleifwagen im Kanton St.Gallen unterwegs. Drei Jahre nach seiner Pensionierung sucht er einen Nachfolger. Denn er würde sich freuen, wenn ein Nachfolger die Dienstleistung übernehmen würde.

Der 68-jährige Franz Thoma hat eine ruhige Ausstrahlung. Man sieht es ihm an, dass er seine Kundschaft glücklich machen will. Das ist aber nur einer der massgebenden Faktoren in seiner langjährigen, erfolgreichen Tätigkeit als mobiler Messerschleifer. «In erster Linie müssen die Kunden mit meiner Arbeit zufrieden sein», sagt Franz Thoma lachend. Und diesen Anspruch hat der fleissige Gommiswalder während all der Jahre zweifellos erfüllt. Achselschmerzen zwangen den Landmaschinenmechaniker vor 14 Jahren zu einem Berufswechsel. Der Bolleter-Schleifservice war ihm bekannt. Sein Betreiber, Walter Gerig, suchte in dieser Zeit einen Nachfolger für dieses Gewerbe. Jetzt war ein umfangreiches Ansammeln von Wissen und Erfahrung nötig. Nicht wenige Stunden verbrachte Franz Thoma im gut ausgerüsteten Schleifwagen und liess sich von seinem Vorgänger in die Materie einarbeiten. Der Kauf der rollenden Werkstatt war dann ein rechter Lupf. «Aber man hat die Gewähr, dass die Arbeit sicher nicht ausgeht. Also lohnt sich diese Anschaffung allemal», erzählt Franz Thoma. Diese Art Schleifservice existiert schon seit 30 Jahren. Gegründet wurde er von Andreas Bolleter. Heute nennt sich die Dienstleistung von Franz Thoma Grind Stone Schleifservice (Grindstone bedeutet Schleifstein, Anm. d. Redaktion).
Planung fürs Jahr
50 Standplätze hat Franz Thoma pro Jahr durchschnittlich besucht. Da musste gut geplant werden. In grösseren Ortschaften sind fünf Tage Präsenz nötig; in kleineren Gemeinden reichen zwei. Für das Einnehmen der Wagenstandorte ist bei der Gemeindebehörde eine Bewilligung einzuholen. «Das ist recht unterschiedlich. Manchmal läuft dies ganz flüssig und manchmal weniger», schmunzelt Franz Thoma. Um den zehnten Januar herum wird eine Schleifsaison üblicherweise gestartet. Fürstenland, Bodensee, Unteres Rheintal, Toggenburg, See und Gaster sind die besuchten Regionen. Manchmal kann der benötigte Strom beim Standplatz angezapft werden. Ansonsten hilft das auf dem Wagen montierte Notstromaggregat. Vielerorts befindet sich der Standplatz immer an der gleichen Stelle. Mit den Jahren konnte der Gommiswalder ohne das Aufhängen von Plakaten seine Kundschaft betreuen. Sein alljährliches Erscheinen hatte sich bei der Bevölkerung eingeprägt. Man wusste ziemlich genau in welchem Zeitraum der Schleifservice wieder ortspräsent war. «Manchmal entwickelte sich fast eine Verbindung. Man sagte Du zueinander und wusste noch was im Vorjahr grad aktuell war», blickt Franz Thoma zufrieden zurück.

Breitgefächerte Kundschaft
Restaurants, Altersheime oder Spitäler bringen ihre zahlreichen Messer. Dann pressiert der Auftrag meistens. Schliesslich sollen diese Gerätschaften am nächsten Tag wieder zur
Verfügung stehen. Privathaushalte bringen Baumscheren, Nähscheren, Schnitzmesser, Äxte und Spaten zum Schleifservice. Aus der Landwirtschaft werden auch Klauenmesser vorbeigebracht.
«Da muss man nicht selten auch bei nagelneuen Messern die Schärfe verbessern. Zu billig werden diese Artikel manchmal fabriziert», erzählt Franz Thoma aus seiner langjährigen Erfahrung. Überhaupt sei die Qualität der verschiedenen «Patienten» äusserst unterschiedlich. Geschliffen wird aber alles, was die Kunden bringen. Sie sollen ihre Ware nach der Optimierung mit grosser Zufriedenheit in Empfang nehmen; egal welchen Wert der Artikel hat. Franz Thoma ist sehr gut ausgerüstet mit Ersatzteilen. Es kommt oft vor, dass zum Beispiel eine Baumschere nur noch mangelhaft funktioniert. Dann wird das betreffende Teilchen vom Schleifservice ersetzt. Das erfreue die Kundschaft schon, wie Franz Thoma in all den Jahren erfahren hat.

Unterschiedlich lange Arbeitstage
Von 9 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr ist Bring- und Hol-Zeit beim Grindstone Schleifservice. Dabei wechseln sich Kundenbetreuung und Schleifen munter ab. Die restlichen Stunden sind unterschiedlich ausgelastet mit Arbeit. Manchmal muss am morgen früh begonnen werden oder der Arbeitsaufwand zieht sich am Abend in die Länge. Wenn einmal andauernd in der gleichen Körperstellung geschliffen werden muss, nimmt sich Franz Thoma einen Stuhl als Entlastung. Meistens ist er aber in Bewegung im Wagen, was für den Körper sehr angenehm sei.
Zahlreiche Apparate sind im Schleifwagen vorhanden. Gehörschutz und Staubmaske sind oft unerlässlich bei der Arbeit. Das Klima im Wagen ist angenehm. Das Radio läuft, die Heizung funktioniert, der Staub wird abgesaugt und die Ordnung ist übersichtlich. «Wenn mal kurz eine Flaute entsteht, gibt es aber immer aufzuräumen», erzählt Franz Thoma. Er hat sich den Wagen gezielt systematisch eingerichtet. So findet er auch immer schnell, was gerade ansteht.

Von Mitbewerbern kopiert
Es ist schon vorgekommen, dass der Grind-Stone-Schleifservice von anderen kopiert wurde. Die rechtlich geschützten Plakate wurden in grosser Ähnlichkeit hergestellt. Und die Leute, waren erstaunt, dass der Schleifservice schon wieder vor Ort war. Franz Thoma hat seine Arbeit immer gerne gemacht. «Die Abwechslung ist gross. Und du machst ja den Kunden immer Freude. Das ist sehr befriedigend und es ist mir nie verleidet», hält er fest. Nun will er sich aber endgültig in den Ruhestand begeben. So richtig freuen würde sich der Rentner, wenn ein Nachfolger diese interessante und kurzweilige Dienstleistung übernehmen würde.
