Magenfreundlich essen: Tipps für eine gute Verdauung

Der Magen reagiert empfindlich auf Stress und ungesunde Ernährung. Mit leichtem Essen, warmen Getränken und regelmässigen Mahlzeiten lässt sich viel für eine gesunde Verdauung tun.

Ein gesunder, gut funktionierender Magen ist nicht selbstverständlich, sondern bei vielen das Ergebnis einer insgesamt bewussten Ernährung und Lebensführung. Wer regelmässig, langsam und mit Genuss isst, vermeidet Verdauungsprobleme. Schon kleine Änderungen im Alltag wie weniger Hektik und Stress beim Essen, gutes, langes Kauen und eine bewusste Lebensmittelauswahl können langfristig einen grossen Unterschied ausmachen. Natürlich gibt es auch jene Gruppe, die von sich behauptet, sich alles erlauben zu können, ohne dem Magen zu schaden. Oft ist es eine Frage der Zeit, bis der Magen sich dann doch irgendwann bemerkbar macht.

Warnsignale nicht ignorieren

Wiederkehrende oder starke Magenschmerzen sind Warnsignale, die nicht ignoriert werden dürfen. Ursache könnte zum Beispiel eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis), ein Magengeschwür oder eine Refluxkrankheit sein. Diese Erkrankungen erfordern eine gezielte Diagnose und Behandlung durch eine ärztliche Fachperson. Aber schon viel früher, noch bevor sich eine ernsthafte Krankheit manifestiert, lohnt es sich, zu reagieren. Ein simples Unwohlsein nach dem Essen, das Gefühl, ein Stein liege im Magen, oder eine grosse bleierne Müdigkeit nach dem Essen können schon aufzeigen, dass der Magen überfordert ist. Solange man nicht unter einer ernsthaften Krankheit leidet, die ärztliche Betreuung braucht, gibt es viele Möglichkeiten, die Situation zu entspannen. Man hat jeden Tag die Möglichkeit, den Magen zu unterstützen oder ihn zu schwächen.

Schlecht für den Magen

Der Magen reagiert auf seelische Belastungen, bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Stress, Angst und Ärger können die Magensäureproduktion erhöhen und die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt anspannen. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein, dass beim sogenannten Stressessen zu wenig Magensäure ausgeschüttet wird, dadurch das Essen zu lange im Magen liegen bleibt und zu wenig vorverdaut im Dünndarm landet.

Ausnahmsweise zu viel und schwer zu essen, verzeiht ein gesunder Magen. Immer zu viel Falsches zu essen, belastet den gesamten Organismus. Bild: Pexels
Ausnahmsweise zu viel und schwer zu essen, verzeiht ein gesunder Magen. Immer zu viel Falsches zu essen, belastet den gesamten Organismus. Bild: Pexels

Zu den weiteren möglichen Verursachern von Magenproblemen gehören: zu viel essen, zu häufiges und zu schnelles Essen, zu spät am Abend und gleichzeitig zu schweres Essen, zu viel Rohkost oder eiskaltes Essen. Wenn jemand empfindlich ist, gehören auch fettige, stark gewürzte oder zuckerhaltige Nahrungsmittel dazu. Ebenso können Alkohol, Kaffee, Nikotin und scharfe Gewürze die Säureproduktion erhöhen und so die Magenschleimhaut immer wieder neu reizen.

Leichte Abendmahlzeit

Der Magen liebt qualitativ gute, natürliche Nahrungsmittel, möglichst wenig Fertigprodukte und industriell verarbeitete Nahrungsmittel. Auch regelmässiges Essen im Rhythmus der Organe mit Essenspausen dazwischen ist wichtig. Absehen sollte man in der Regel von üppigen und schwer verdaubaren Abendmahlzeiten, weil der Magen am Abend in seine Ruhe- und Regenerationsphase geht. In der Nacht, wenn keine Salzsäure produziert und verdaut werden muss, kann sich die Magenschleimhaut regenerieren. Das heisst, neue Schleimhautzellen können aufgebaut werden. Dafür ist eine leichte Abendmahlzeit wichtig, weil man sonst die Magenschleimhaut um die dringend nötige Regeneration und Erholung bringt.

Bedarfsorientierte Ernährung

In der bedarfsorientierten Ernährung fängt ebenfalls alles Gute und alles Schlechte im Magen an, denn Unverdautes oder schlecht Verdautes belastet Körper und Psyche. Gemäss der chinesischen Organuhr ist der Magen morgens in der Frühstückszeit und auch noch am Mittag für seine Höchstleistung bereit. Der Magen ist zu einem grossen Teil für die Eiweissverdauung zuständig. Es macht also Sinn, diese Tatsache auszunutzen und vor allem das eher schwer verdaubare Eiweiss in dieser Hochleistungsphase des Magens zu essen. Nicht umsonst heisst ein Drei-Minuten-Ei auch Frühstücksei und nicht Abendei.

Suppen sind leicht verdauliche Abendmahlzeiten, die den Magen nicht um seine wohlverdiente Regeneration in der Nacht bringen. Bild: Pexels
Suppen sind leicht verdauliche Abendmahlzeiten, die den Magen nicht um seine wohlverdiente Regeneration in der Nacht bringen. Bild: Pexels

Der eisgekühlte Orangensaft, Joghurt oder kalte Milch, auf nüchternen Magen am Morgen getrunken, schwächen hingegen seine Verdauungskraft. Es lohnt sich, immer zuerst mit etwas Warmem, leicht Salzigem oder gar leicht Bitterem den Magen anzuregen, bevor Kaltes oder schwer Verdaubares gegessen wird. Das können zum Beispiel vor jeder Mahlzeit ein paar Schlucke einer leicht salzigen Bouillon sein, dies bringt Wärme, fördert die Durchblutung und der salzige Geschmack regt die Belegzellen im Magen an, Salzsäure zu produzieren, die für das nachkommende Essen nötig ist. Somit wird das Gegessene schneller und besser angesäuert und der saure Mageninhalt schneller zum Dünndarm weitertransportiert. Der Magen kann sich bis zur nächsten Mahlzeit besser erholen. Dasselbe bewirken ein paar Schlücke eines leicht bitteren Verdauungs- oder Leber-Gallen-Tees. Man könnte sich zum Beispiel am Morgen eine Tasse Tee zubereiten und immer vor und nach dem Essen ein paar Schlucke davon trinken. Es spielt keine Rolle, wenn der Tee kalt wird, die Bitterstoffe wirken trotzdem. Den Tee aber nur so lange ziehen lassen, dass er noch gut schmeckt und nicht allzu bitter wird.

*Die Autorin arbeitet als Lehrerin und (Ernährungs)Beraterin beim Landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen in Salez.

 

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