Wenn Pressen von Heu ab Stock zum Brandrisiko wird
Heu wird oft direkt ab Stock gepresst. Sei es, um das Winterlager vor der neuen Ernte zu leeren oder um die Trocknungsanlage über mehrere Schnitte besser auszulasten. Das Arbeitsverfahren bringt jedoch ein erhöhtes Brandrisiko mit sich.

Anders als bei der Selbsterwärmung liegt die Brandursache beim Heupressen direkt ab Stock nicht im Heu selbst, sondern in der Kombination aus leicht entzündbaren Materialien und heissen Maschinenteilen oder Funken. Ein Brand breitet sich in dieser Situation aufgrund der vorhandenen Brandlast schnell aus. Es erfordert daher besondere Massnahmen zur Brandverhütung. Die folgenden Empfehlungen dienen der Sensibilisierung für Brandgefahren beim Pressen von Heu ab Stock. Sie ersetzen weder die geltenden Brandschutzvorschriften noch die Anweisungen der zuständigen kantonalen Behörde.
Beim Pressen laufen Traktor und Ballenpresse unter Volllast. Der Motor und insbesondere die Auspuffanlage erreichen dabei Temperaturen, die trockenes Heu ohne Weiteres entzünden können. Besonders kritisch wird es, wenn loses Material in Kontakt mit heissen Teilen kommt, etwa wenn beim Schwenken des Heukrans über den Traktor Heu auf dem Auspuffrohr landet oder wenn heisse Abgase auf brennbare Materialien treffen.
Schmutz und fehlende Wartung
Neben der Hitze spielt auch der Staub eine entscheidende Rolle. In Verbindung mit Öl und Fett entstehen Ablagerungen, die sich auch an heissen oder bewegten Maschinenteilen festsetzen. Gleichzeitig laufen viele Maschinenkomponenten während des Pressens am Limit.
Ohne gründliche Wartung und regelmässige Reinigung entstehen Reibstellen, die überhitzen und letztlich in Verbindung mit den Verschmutzungen einen Brand auslösen können. Eine regelmässige Wartung ist daher unerlässlich. Zudem muss die Maschinenkombination vor Arbeitsbeginn auf Einsatzbereitschaft überprüft werden. Dazu gehört:
– Schmierung sicherstellen, um heiss laufende Teile zu vermeiden
– Hydraulikschläuche auf Dichtheit und Zustand prüfen
– Maschine reinigen: keine alten Verschmutzungen (Staub, Ölrückstände, Ablagerungen), insbesondere an heissen Teilen/Kühlelementen
– Sicherstellen, dass geeignetes Löschmittel in genügender Menge auf der Maschine vorhanden ist
Pressen nur im Freien
Besonders heikel ist das Pressen im Gebäude. Die Hitze kann sich stauen, gleichzeitig ist die Staubkonzentration hoch, es sind grosse Mengen an brennbarem Material vorhanden und Fluchtwege werden eingeschränkt. Daher gilt: Der Pressvorgang sollte grundsätzlich immer ausserhalb von Gebäuden stattfinden. Die Beschickung der Presse mit einem Hebefahrzeug oder mit dem Kran aus der Scheune heraus muss entsprechend organisiert werden. Ist dies nicht möglich, muss der Traktor ausserhalb des Gebäudes platziert werden. Dabei ist sicherzustellen, dass die Abgase ins Freie geleitet werden. In jedem Fall sind die Vorgaben der zuständigen Brandschutzbehörde zu beachten.
Der Einsatzort muss so eingerichtet sein, dass die Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet ist und im Brandfall rasch reagiert werden kann. Traktor, Dosiereinheit und Presse müssen übersichtlich und mit ausreichend Platz aufgestellt werden. Nicht benötigte und insbesondere brennbare Materialien sind aus dem Arbeitsbereich zu entfernen.
Aufmerksam bleiben
Auch bei guter Vorbereitung kann es zu Zwischenfällen kommen. Ungewöhnliche Geräusche, auffällige Gerüche oder steigende Temperaturen sind immer ernst zu nehmen. In diesem Fall gilt: Maschine stoppen, Ursache klären/beheben und erst dann weiterarbeiten.
Regelmässige Zwischenreinigungen während des Arbeitsvorgangs helfen, Ablagerungen und Heisslaufen oder Wärmestaus zu vermeiden. Regenerationsprogramme bei Partikelfiltern führen zu extrem hohen Temperaturen. Sie dürfen niemals im Gebäude, in Gebäudenähe oder im Bereich von brennbaren Materialien durchgeführt werden.
Bevor die Maschinenkombination nach Arbeitsende in einem geeigneten Gebäude geparkt wird, soll sie im Freien auf einem nicht brennbaren Untergrund abkühlen können. Weitere Tipps zum sicheren Parkieren von Fahrzeugen finden sich unter www.bfb-cipi.ch/landwirtschaft-fahrzeuge.
Ein einfaches, klares Notfallkonzept stellt sicher, dass im Brandfall richtig reagiert werden kann. Das Konzept ist vor Arbeitsbeginn mit allen Beteiligten zu besprechen. Insbesondere folgende Fragen sind zu klären: Sind die Mitarbeitenden im Bereich Brandschutz und Brandbekämpfung genügend geschult? Wo befinden sich die Löschmittel? Sind die Notrufnummern zur Alarmierung vorhanden? Besteht am Einsatzort Handyempfang?
Löschmittel müssen direkt am Arbeitsort verfügbar sein, zum Beispiel ein tragbarer Feuerlöscher oder ein sofort zugänglicher Wasserlöschposten.
Weitere Infos
Auf der Webseite der BUL unter www.bul.ch/brandverhuetung.ch oder bei der Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) unter www.bfb-cipi.ch/landwirtschaft.
Das Merkblatt «Brandverhütung in der Heu- und Strohlagerung» findet sich unter dem Link hier.
* Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft
